Monat: November 2010

Diskrepanz

Gestern wollte ein Mandant Patentschutz für Taschen, Umhängetaschen aus Leder(imitat) für Herren. Seine qualitativ hochwertige Ware war von einem bösen Plagiator nachgeahmt worden, und nun wollte er dagegen vorgehen. Eine anwaltliche Beratung, bei der nur die Rechtslage an sich geklärt wird, kostet im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich, ein Tätigwerden, bei dem ein echter Rechtsstreit vom Zaun gebrochen wird, locker etwas vierstelliges. Er hat sich auf eine Beratung eingelassen, sah aber aus, als sei er einem Rechtsstreit nicht abgeneigt. Die Taschen verkauft er für 3,30 € das Stück auf dem Wochenmarkt.

Rotkäppchen und der vegetarische Wolf

Vor kurzem lagen in der Mensa Flyer für den „Veggie-Tag“ aus:

Nun fällt mir dazu allerhand wenig Freundliches ein, denn das läuft sehr wahrscheinlich wieder auf Tofu in Sojasoße hinaus. Aber ich würde liebend gern meinen Plakatvorschlag für den Tag darauf an den Mann bzw. die Mensa bringen:

Noch jemand etwas Wolf?

PS: Der Flyer stammt natürlich nicht von mir, sondern von der angegebenen Website.

Zeit und Müll

25 Millionen Euro kostet der Polizeieinsatz vom Wochenende, um die Castorgegner von der Strecke zu tragen. Warum sitzen die da gleich nochmal? Ach ja: weil es unverantwortlich ist, auf so lange Zeit strahlende Abfälle zu produzieren und dann auch noch irgendwo endzulagern. Besser, die Behälter mit dem Atommüll stehen neben den Kraftwerkern herum, wie es derzeit häufig der Fall ist, oder werden nach Russland verbracht, weil es hierzulande nicht zuletzt dank zäher Widerstände immer noch kein vernünftiges Endlager gibt.

Derweil treiben im Pazifik Müllteppiche von der Größe Zentraleuropas vor sich hin, die hauptsächlich aus Plastikresten bestehen: Flaschen, Schnuller, Zahnbürsten, Tüten und dergleichen mehr. Nicht nur, dass Seetiere Teile davon verschlucken und unschön sterben, es werden auch Gifte freigesetzt, die die Nahrungskette hinaufwandern und mindestens ebenso lustige Mutationen verursachen wie Kernstrahlung.

Nun ist es jedem freigestellt, sich der Apokalypse zu widmen, die ihm am furchtbarsten dräut. Aber da es fetziger ist, sich an Gleise zu ketten und dann eine matschige Böschung hinauf wegtragen zu lassen, anstatt Plastiktüten aus dem Pazifik zu sammeln, kriegen unsere Urenkel viel wahrscheinlicher Krebs von der PET-Flasche, die wir am Strand verloren haben, als von Atommüll, der in Salzstöcken ruht. Logik ist generell nicht die Stärke aller Protestbewegungen, aber hier wird es evident: „Great Pacific Garbage Patch“ skandiert sich einfach sehr viel schlechter als „Nie wieder Tschernobyl!“, obwohl das Meer wesentlich schneller im Eimer sein dürfte als der Salzstock. Insofern ist der Hinweis der Endlagergegner, niemand könne etwas über die nächsten Millionen Jahre aussagen, pure Heuchelei – bis dahin sind wir am ganz normalen Müll längst erstickt.