Monat: Februar 2011

Muss… Plagiate… finden…

Es haben sich ja schon alle ausführlich dazu ausgelassen, aber ein Aspekt ist mir bislang zu wenig beleuchtet worden: Haben diejenigen, die die 475 Seiten einer gewissen Doktorarbeit durchgooglen, eigentlich sonst nichts vor?

– „Krastlhuber, Sie wissen schon, dass ich immer noch auf die Berichte vom letzten Quartal warte?!“

– „Keine Zeit, Chef, ich muss dem Verteidigungsminister seine Pla-, seine Dings, na, dass er geschummelt hat, nachweisen… und überhaupt – jemand hat Unrecht im Internet!“

Inner Kneipe

… Leipzig hat ja so tolle. Die Stimmung ist irgendwo zwischen WG-Party und Abrisshaus, die Lunge kämpft um jedes einzelne Sauerstoffmolekül in der verqualmten Luft, wenn es neben Flaschenbier auch mal Wein gibt, ist er so lala und irgendwo diskutieren garantiert welche die marxistische Weltrevolution. Trotzdem super.

Fanart: Claymore

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Eigentlich war ich immer der Ansicht, Fanart sei etwas für Leute, denen sonst nichts einfällt. Da mir aber im Moment auch nicht viel einfällt und Claymore mich schwer beeindruckt hat, sei die Serie von Norihiro Yagi allen empfohlen, die einen starken Magen haben. Im Setting (Kampf gegen den Dämonen, sog. Yoma, in mittelalterlicher Welt) eher klassisch, erzählt es die Geschichte von Clare (siehe oben) und anderen [magersüchtigen] jungen Frauen, die als halbe Yoma ihre vollblütigen Pendants bekämpfen und dabei ständig Gefahr laufen, ihre Menschlichkeit zu verlieren und zu Erwachten, gewissermaßen Yoma 2.0. zu werden.

Clare ist die schwächste von ihnen, entwickelt aber im Laufe der Geschichte erstaunliche Fähigkeiten und bekommt dafür als Belohnung im Anime auch ein hoffnungsvolles Ende, während die Manga-Serie noch andauert. Auch wenn die Kämpfe brutal sind, Blut spritzt, Gliedmaßen fliegen und der obligatorische Blick unter den kurzen Rock nicht immer ausbleibt, ist die Gewalt hier integraler Teil der dargestellten Welt und kein Selbstzweck (als Gegenbeispiel fällt mir „Elfenlied“ ein, das aus ähnlichen Zutaten besteht, aber insgesamt eine missratene Mischung aus Gemetzel und Softporno ist). Die Atmosphäre ist angemessen bedrückend, auch weil man Clare und die anderen Claymore, aber auch ihre Feinde von ihren menschlichsten Seiten erlebt, die Charaktere tatsächlich Individuen sind und auch graphisch wenig Wünsche offen bleiben (das Viech oben, das ich mir aus den Fingern gesogen habe, ist ein blasser Abklatsch überaus phantasievoller und tödlicher Monster, die die Welt von Claymore bevölkern). Die deutsche Synchro kann sich ebenfalls hören lassen, spezielles Highlight ist die prominente Stimme von Ulrike Stürzbecher (akustisch besser bekannt als Meredith Grey), die die sadistische Claymore Ophelia und vor allem deren Erwachen überaus gänsehauterzeugend umsetzt. Zudem funktioniert, abgesehen von den genretypisch unlogischen Formschwankungen der Kriegerinnen, die entworfene Welt in sich sehr gut. So gibt es eine mysteriöse, jesuitenähnliche Organisation, die die Claymore erschafft (der Name kommt übrigens von den langen Schwertern, eigentlich schottischen Bihändern, die die Mädels mühelos mit einer Hand führen) und die erst mit Männern experimentiert hat, das dann aber aufgab, weil die Kerls im Kampfesrausch sich mangels Selbstbeherrschung fast sofort verwandelten.

Wie genau die Claymore erschaffen werden, bleibt dahingestellt, man will es nach ein paar Andeutungen auch nicht mehr so genau wissen. Clare ist jedenfalls die Einzige, die sich diesem Prozess freiwillig unterzogen hat. Ihre „Ziehmutter“ Theresa, Nr. 1 des Ordens, wurde von der Erwachten Priscilla hinterrücks getötet, und Clare sah die einzige Chance, Rache zu üben, darin, sich Theresas Fleisch und Blut einsetzen zu lassen (ich sag ja – starker Magen). Daher sind ihre Kräfte auch unregelmäßig schwach und dramatischen Schwankungen unterworfen. Erst, als sie den Jungen Raki trifft, regt sich in Clare außer Rachedurst noch eine andere menschliche Regung, allerdings kommt sie ihrer persönlichen Grenze immer näher… und ihrer Erzfeindin Priscilla auch. Clare muss sich irgendwann entscheiden – zwischen Mensch und Monster, zwischen Liebe und Rache.

Übrigens habe ich keine Ahnung, warum sie auf dem Bild ein Buch in der Hand hält – es war einfach da. Weiß jemand, ob sie überhaupt lesen kann?

Versichert

Wälzt man genügend Arzthaftungsfälle, kommt zwar nicht der juristische, aber dafür der medizinische Größenwahn: Komplizierte Brüche? Kein Problem, Ihr Anwalt interpretiert Röntgenbilder besser als der beste Unfallchirurg (und vor allem ganz anders). OP-Lagerung? Kann ich inzwischen selber machen, mit Umlagern und korrekter Steinschnittlage. Antibiose für Bissverletzungen? Immer her damit! Solche Anfälle sind mit Vorsicht zu genießen. Zum Glück gibt es zum Ausgleich diejenigen, wo die Sachlage eindeutig ist: bei Rippenprellungen oder Rippenbruch zum Beispiel ist die Abgrenzung relativ egal, da die Behandlung eigentlich diesselbe ist (jede Menge Schmerzmittel und ausschließen, dass irgendein wichtiges Organ angepiekst ist oder demnächst wird). Ergo: auch kein ärztlicher Fehler, wenn man das eine mit dem anderen verwechselt, denn die Behandlung erfolgt ja trotzdem lege artis.

Die Sachlage der Chefin erklärt, Kritik geerntet: „Das war völlig unnötig, Sie machen bitte trotzdem die Klageschrift!“ – „Ähm, und weswegen genau?“ – „Ganz egal, die Mandantin hat doch ´ne Rechtsschutzversicherung!“