Metasenf

Im Zuge der neuen antizyklischen Aufregungsrichtlinie hier bei Fingerkuppenweitspucken wollte ich eigentlich Bilder flauschiger Kätzchen posten, aber dann konnte ich keine finden. Stattdessen  werde ich nun doch meine Ansichten zur Gauck-Debatte kundtun. Diejenigen, die das Ganze schon gründlich über haben (zum Beispiel, weil ich sie auf Facebook schon damit genervt habe), können einfach nach unten scrollen.

Ad 1: Mit meinen Ansprüchen an einen Bundespräsidenten komme ich mir auf einmal so bescheiden vor, wenn ich lese, was dieser eigentlich soll (und Gauck nach Ansicht des jeweiligen Autors nicht kann). Dabei reichte es mir schon, er wäre a) in der Lage, Empfänge durchzustehen, ohne Anzeichen von Müdigkeit, Langeweile oder Überdruss zu zeigen bzw. bei anderen hervorzurufen, b) Gesetze zu unterschreiben, c) zu wissen, wann es besser ist, gerade das nicht zu tun bzw. zu verstehen, was ihm sein Stab juristischer Experten dazu erklärt und d) würde ab und an eine Ernennung oder Begnadigung vornehmen. Außerdem kann er e) Reden halten, die wahlweise nichtssagend, vieldeutig oder „historisch“ sind. Natürlich soll er nach Möglichkeit alle gesellschaftlichen Gruppen ansprechen, usw., usf., aber mal ganz im Ernst: wenn ich mich in andere hineinversetzen will, brauche ich dazu keinen Bundespräsident. Und wenn ich das nicht will, kann ein solcher wenig ausrichten.

Ad 2: Ich finde es geradezu befremdlich, jemanden als Bundespräsidenten abzulehnen, nur weil er nicht derselben Meinung ist wie man selbst. Die einen regen sich darüber auf, dass Bundespräsidenten spätestens seit Angela Merkel nur zahme Grüßauguste sind, die keine eigene Position haben, die anderen beschweren sich, dass der entsprechende Kandidat eine Position hat, die mit der eigenen nicht kompatibel ist. Was ist daran so schlimm? Ich schaffe es auch meistens, nicht beleidigt zu sein, weil im Gegensatz zu mir fast alle anderen Atomkraft total doof finden.

Ad 3: Gauck zu mögen war vor zwei Jahren, als er keine Chance hatte, gewählt zu werden, anscheinden einfacher, weil er „einer von uns“ war und nicht zu „denen da oben“ gehörte. Jetzt, wo Koali- und Opposition sich ihn offiziell als „Wunsch“kandidaten einverleibt haben, scheint der schlechte Ruf der Politik hierzulande unmittelbar auf ihn überzugreifen.

Ad 4: Batman, zu Hülf! Er ist nicht gegen den Kapitalismus! Meine Tischkante zeigt schon deutliche Abnutzungserscheinungen, aber ich habe immer noch nicht so richtig herausgefunden, warum „den Kapitalismus kritisch hinterfragen“ so eine präsidiale Tugend sein soll. Ich meine, Sachen kritisch zu hinterfragen ist immer gut, aber „den Kapitalismus kritisch zu hinterfragen“ klingt für mich ähnlich ergebnisoffen wie die „vorurteilsfreie Debatte über den Islam“, die gelegentlich gefordert wird. Das Ergebnis sollte möglichst schon beinhalten, den Kapitalismus(/den Islam) schlecht zu finden, sonst kann die Debatte ja unmöglich offen gewesen sein. Zumindest geht von diesen Aufforderungen manchmal eine unheimliche Suggestivwirkung aus, finde ich.

Ad 5: Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber diesselben Leute, die Sozialismus & Co. erwägenswert finden und sich beschweren, dass die Linkspartei bei der Kandidatenfindung übergangen wurde, werfen Gauck vor, er sei ja in der DDR gar kein aktiver Bürgerrechtler gewesen. Das ist irgendwie lustig. Nun weiß ich nicht, wie das bei Gauck im Einzelnen war, aber mein Großvater war ebenfalls ostdeutscher Pfarrer, und auch wenn ich selbst die DDR nicht mehr mitbekommen habe, hatte ich den Eindruck, dass die meisten Pfarrer in ihren Gemeinden sowas wie „kleine Bürgerrechtler“ waren. Sich dann darüber zu streiten, wer mehr Bürgerrechtler war, ist zumindest dann etwas überflüssig, wenn der Betreffende selbst sich (womöglich ja aus gutem Grund) gar nicht als einer, der schon immer dabei war, stilisiert.

Ad 6: Ich hab doch noch ein Kätzchen-Bild gefunden.

4 Kommentare

  1. Steht das Bild unter einer Creativ-Commons-Lizenz? Darfst du das überhaupt verwenden? … würden jetzt die coolen Internpeople ™ sagen. Natürlich ohne einen Deut auf deine Argumentation einzugehen.

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  2. 1. Sieht aus wie unser Garfield!
    2. Meinst du nicht, deine Mam sollte sich mal für ein politisches Amt bewerben? Kinder von ostdeutschen Geistlichen scheinen grad Konjunktur zu haben!
    3. Ich liebe es, wie herrlich konservativ du bist… dachte ich mir grad an der Stelle mit der Atomkraft.;)

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  3. „Konservativ“?! Manchmal fühle ich mich irgendwie unverstanden. Außer natürlich von Muriel.

    Und was das Bild betrifft, kann ich die Internet- und alle anderen People beruhigen: ist selbst gemacht. (Seit wann kümmern sich Internetpeople um anderer Leute Lizenzen? o_O)

    @Frenni: Meiner Mutter habe ich das in der Tat schonmal vorgeschlagen. Sie war aber reichlich abgeneigt.

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