Monat: Februar 2012

Sheila

Auf Wunsch eines einzelnen Herrn hatte ich die Ehre, eine Figur aus einer seiner Geschichten skizzieren zu dürfen. Nun ist die Auswahl groß, aber am besten gefällt mir immer noch „Yours to keep“, und Sheila ist eine mir sehr… nun, ich würde nicht sagen, sympathische Figur, aber definitiv eine Herausforderung. Es blieb dann nicht beim bloßen Skizzieren, und das ganze Ding ist auch nicht so geworden, wie ich es gern gehabt hätte (ich fürchte, jetzt ist es eher ein Schock für den Autor), aber ich habe verdammt viel dabei gelernt (nützt euch mittelfristig auch was, versprochen). So, und bevor ich weiter selbstmitleidiges Künstlergeschwafel absondere, zum Bild (wir befinden uns übrigens am Ende des ersten Teils):

Der ausschnitthafte junge Mann ist Daniel, an den Sheila mittels eines Rings gebunden ist. Das hat sie nicht daran gehindert, eben seinen Freund zu verspeisen, weswegen die Stimmung etwas gedrückt war – bis Daniel Anstalten macht, den Ring abzunehmen.

Geschützt: Stunden-Comic

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52 Bücher, Woche 14: Das Fahrrad in der Weltliteratur

Wir alle wissen, dass das Fahrrad in der Weltliteratur eine tragende Rolle spielt. In Dutzenden, ja hunderten Werken finden sich Verweise auf das Fahrrad, die dessen lang unterschätzte Bedeutung insbesondere für die europäische Geistesgeschichte offenbaren. Angesichts der Überbewertung der Funktion des Fahrrads als Fortbewegungsmittel sah sich der Velozipedologismus, die Lehre von der  transzendentalen Bedeutung des Fahrrads, lange Zeit in den Hintergrund verbannt. Dennoch wäre es eine sträfliche Nachlässigkeit, die Literaturforschung auf ihrem fahrradlosen Status quo zu belassen. Um wenigstens exemplarisch auf den Themenkreis aufmerksam zu machen, seien im Folgenden schlaglichtartig einige besonders prägnante Zitate zusammengestellt. Schon Seneca schrieb:

Vixi et quem dederat cursum fortuna rota commeavi.

(Ich habe gelebt und bin den Weg, den mir das Schicksal vorgegeben hat, mit dem Rad gefahren.)

Er verwendet es hier als Metapher für den Gang des Lebens: Man muss schon ordentlich treten, um vorwärts zu kommen. Auch bei Shakespeare finden sich Verweise auf das Fahrrad:

Celerity is never more admired than by the negligent.

Ganz offensichtlich kannte schon das England Shakespeares einen frühen Vorläufer der Tour de France, bei der der Dichter offenbar bemerkte, wie sehr die abgeschlagenen Wettkämpfer ihre vorgefahrenen Kollegen bewunderten – mehr als die Zuschauer, möchte man spekulieren. Ein ähnlicher Verweis findet sich auch in der Eingangsszene zu „Macbeth“:

When shall we three meet again?

In Thunder, Lightning, or in Rain?

– When the cycle racing´s done,

when the contest´s lost and won.

Selbst die drei Hexen also bemessen den Zeitpunkt ihres nächsten Treffens nach einem Radrennen. So wird das Fahrrad hier zum Bezugspunkt des Alltäglichen, gleichermaßen profan und doch von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit für den Fortgang der Ereignisse, denn Macdonwald wird von Macbeth im Zweikampf auf der letzten Etappe besiegt, was Macbeth die Gunst seines Königs Duncan sichert. Damit wird das Drama erst in Gang gesetzt. Eine gänzlich andere, weltabgewandte Bedeutung bekommt das Fahrrd indes in der deutschen Romantik, etwa bei Eichendorff:

Und meine Seele spannte

weit ihre Flügel aus

fuhr durch die stillen Lande

als führe sie nach Haus.

Hier steht das Fahrrad also als Metapher für die Sehnsucht nach einem besseren Ort, aber auch für das Hinwenden zum inneren Selbst, zur Seele, die ihre „Flügel“ erst beim Fahren so richtig ausspannen kann. Auch war dies noch eine wunderbare Zeit, in der Radfahrer ganz ungestört gemütlich durch Wiesen und Felder touren konnten, mit sich und der Natur im Reinen, denn es waren „stille Lande“, noch ohne Autoverkehr, StVO und ähnliche Einschränkungen. Seitdem hat sich die Fahrradmetapher jedoch erneut gewandelt: die Auffassung vom Fahrrad als „Verbündetem“ im täglichen Kampf der Moderne und als Ausdruck chaotischer Selbstverwirklichung ist inzwischen so weit verbreitet, dass sich damit sogar Poetry Slams gewinnen lassen.Und sage noch einer, da geschähe nicht auch wenigstens hin und wieder Weltliteratur – immerhin knüpfen sie an eine große Tradition an.