Außer Spesen…

Meistens bin ich mit meinen Bildern ziemlich unzufrieden, was unter anderem daran liegt, dass ich nie so richtig gelernt habe, halbwegs diszipliniert zu malen, sondern einfach drauflos dilettiere. Meine „Methode“, falls man das überhaupt so nennen kann, besteht inzwischen daraus, möglichst viele Vorzeichnungen zu machen, mir gegebenenfalls Vorlagen zu suchen und ansonsten solange rumzuprobieren, bis das, was da auf dem Papier ist, halbwegs dem entspricht, was ich im Kopf habe, und wenn es mir dann noch einigermaßen vertretbar erscheint, zeige ich es hier rum. (Hab ich irgendwo schonmal erwähnt, dass ich mich über so ziemlich jeden Kommentar zu meinen Bildern freue? Bestimmt.) Insgeheim bin ich aber der Meinung, dass da noch einiges an Luft nach oben ist, und dass der Abstand zwischen dem, was ich so mache, und dem, was ich eventuell machen könnte, sich unter anderem mit etwas professioneller Anleitung ein ganzes Stück verringern ließe.

Wahrscheinlich war es trotzdem einfach nur vermessen von mir, mich für einen Abendkurs (der Beschreibung nach sich an interessierte Amateure richtend) an der hiesigen Hochschule für Graphik und Buchkunst zu bewerben, was der Kursleiter auch so zu sehen schien – vielleicht bilde ich es mir nur ein, aber das Durchblättern meiner Mappe hat er so schnell abgehakt, als würde es ihm körperliches Unwohlsein zu bereiten – , jedenfalls hat es dann, ohne weitere Angaben zu Gründen, nicht geklappt. Sollte zufällig jemand hier vorbeikommen, der weiß, nach welchen Kriterien die HGB aussucht, bin ich für jeden Hinweis dankbar. Nicht, um mich dann danach richten zu können, ich nehme sogar an, dass es beiderseitig besser sein könnte, wenn die schrecklich ernsthaften Leute dort und ich nicht vertiefter miteinander zu tun haben (dem Fuchs sind die Trauben, an die er nicht rankommt, natürlich zu sauer), aber mich zwiebelt es, bei solchen Gelegenheiten dann absolut nicht zu wissen, woran es liegt. Vielleicht waren es ja die Zombies. Wie auch immer, zum Zwecke der Vor-Ort-Beurteilung künstlerischer Fähigkeiten wurde ein Sperrmüllhaufen Stillleben aufgebaut, an dem wir uns dann austoben sollten, und ich habe natürlich, die dezenten Faltenwürfe ausgemusterter Sofadecken, kaputte Gitarren, den Einkaufswagen (!) und den Rest des romantischen Schrottes ignorierend, gleich etwas gesehen, was „guckt“.

Man beachte den leicht manischen Blick des Stuhls. So schaue ich jetzt auch immer drein, wenn mich jemand auf die HGB anspricht.

10 Kommentare

  1. Über die Gründe der HGB kann ich Dir leider nichts sagen, aber Deine Zeichnung gefällt mir. Das Gesicht (die Augen) machen das Bild viel interessanter, als wenn Du die Objekte einfach 1:1 abgezeichnet hättest.
    Ich selbst bin leider in Sachen Malen und Zeichnen total talentlos. 😦 Das steigert meine Bewunderung für Menschen, die so etwas können, noch.
    (Ich bin aber nicht neidisch, neinneinnein… Ich werde nun einfach die Weltherrschaft an mich reißen und dann muss jeder mein Gekrickel brillant finden. Problem gelöst. So einfach. :-))

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  2. Also, meine Vorgehensweise beim Schreiben ist da ähnlich, auch wenn ich mir meistens noch erfolgreich einrede, dass das Ergebnis darunter nicht unbedingt leiden muss.
    Und mir ging es auch sonst nicht unähnlich, als ich meine Manuskripte mal anbot und natürlich freundlich abgewiesen wurde. Auch da erfährt man ja nicht, warum. Verdammte sinnlose Konventionen.
    Aber deine Zeichnung hier finde ich auch sehr gelungen, und wer dich wegen deiner Werke ablehnt (Ich kann das natürlich nur in Bezug auf die sagen, die ich kenne.), der hat offenbar eine Vorstellung von Kunst, die nicht meinem Geschmack entspricht.
    Oder so.
    Also, das war jetzt nett gemeint, falls das nicht so rüberkam.

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  3. Ich hab zwar null Ahnung, aber mir gefallen deine Werke, beispielsweise wie du bei diesem hier die Licht- und Schattenwirkung eingefangen hast. Und so ein weinender, schwitzender, sabbernder Stuhl, der hat schon per se was.

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  4. Danke allerseits für den Zuspruch. Umso mehr kann ich mich jetzt hier austoben – am Ende hätten sie mir dort noch beigebracht, ernste, konsumkritische Sachen zu machen.
    @Guinan: Stimmt, er schwitzt auch noch, ist mir gar nicht so aufgefallen.

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  5. ich finde es ebenfalls aergerlich, wenn man – gerade bei dieser persoenlichen gelegenheit und etwas mehr zeit, jedenfalls habe ich es so verstanden – keinen hinweise oder begruendung erhaelt,woran man noch arbeiten koennte. natuerlich ist es auch schwierig, sich dies anzuhoeren, aber wenigstens wuesste man so, ob man der dortigen “ schule“ dieses kursleiters ueberhaupt -neben aufnahme von konstruktiver kritik – folgen moechte.

    was den stuhl angeht. als laie in bezug auf sehen und selbst zeichnen finde ich den stuhl mit augen und die um die lehne etwas herumschauenden puppe interessant. vielleicht haettte die sitzflaeche im vgl. zur lehne perspektivisch etwas „tiefer“ sein duerfen, jedenfalls fuehlt sich das fuer mich so an. die puppenglieder und die lehnenstruktur finde ich total gelungen.

    viele gruesse u. ein schoenes osterfest!

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    1. Danke, dir auch!
      Das ganze Ding ist perspektivisch ein bisschen verrrutscht – beim Zeichnen musste ich mich zwischendrin umsetzen, weil mir jemand den Platz geklaut hat, vermutlich liegt´s daran.
      Im Übrigen tendiere ich langsam zu der Ansicht, dass zeichnerische „Laien“ trotz gegenteiliger Bekundungen sogar mehr sehen als die Experten – die hilfreichsten Hinweise (meinen Kunstlehrer in der 9. Klasse ausgenommen) kamen bis jetzt immer von Leuten, die im gleichen Atemzug beteuern, sie würden sich ja gar nicht auskennen.

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