Die Königin der Nacht

Eigentlich ist die ganze „Zauberflöte“, mal davon abgesehen, dass sie herrlich bekloppt ist, etwas sexistisch. Prinz Tamino wird von der Königin der Nacht, s.o., angeheuert, ihre Tochter zu befreien, die sich in der Gewalt des Zauberers Sarastro befindet. Im Laufe der Handlung stellt sich allerdings heraus, dass Sarastro das Mädchen zu dessen eigenem Besten entführt hat. Er weiht sie und Tamino in die Mysterien der, ähm, Eingeweihten ein und am Ende stürzt die Königin der Nacht mitsamt ihrem Gefolge in den Abgrund. Anfangs lässt sich das noch nicht so recht erahnen – die „sternenflammende Königin“ ist eine Mutter, die um ihr Kind fürchtet, und insgesamt eine recht gesetzte Dame. Das ändert sich schlagartig im zweiten Aufzug: sie versucht erst, ihre eigene Tochter zu einem Mord anzustiften, verspricht sie dann einem Verräter aus Sarastros Gefolge zur Frau und startet schlussendlich einen Angriff auf den Weisheitstempel, der für sie nicht gut ausgeht. Im Gegensatz zu Pamina, die das weibliche, aber reine Prinzip verkörpert, das der Läuterung zugänglich ist, steht die Königin der Nacht für das Ungezügelte, Emotionale und Zerstörerische. Das Gesetzte und Ehrfurcht Gebietende an ihr ist weitgehend dahin – sie verwandelt sich in ein triebgesteuertes, rachsüchtiges Weib.

4 Kommentare

  1. Tja, ich war trotzdem immer mehr bei der Königin, die brave, langweilige Pamina war so gar nicht nach meinem Geschmack. Ich bin sogar mal zu Karneval so losgezogen, mit 12 oder so, da mochte ich das noch. _Damals_ hätte ich auch noch für das obere Bild gevoted, heute gefällt mir das untere deutlich besser. Die Furie kommt ja gleich aus dem Monitor gekrochen – super getroffen!

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    1. Vielen Dank, ungefähr das war der beabsichtigte Effekt. (Wobei, bei „aus dem Monitor kriechen“ muss ich spontan an The Ring denken^^.) Klar ist die Königin viel beeindruckender – im Gegensatz zu Pamina hat sie wenigstens Temperament.

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    1. Danke auch dir. Das mit dem Sexismus bezieht sich auch eher darauf, dass die Frauen im Stück nicht gut wegkommen – die Königin ist zwar schön dionysisch, muss sich am Ende aber Sarastro geschlagen geben (der von Wahrheit, Venunft undsoweiter geleitet ist) und selbst wenn man Pamina zugesteht, dass die wegen der Entführung enorm unter Stress steht, ist sie eigentlich immer jemandem untergeordnet – erst ihrer Mutter, dann Tamino und Sarastro, und sie scheint das auch noch gut so zu finden. Allerdings will ich diesen Aspekt auch nicht überbewerten, das Stück ist so oder so sehr unterhaltsam.

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