52 Bücher, 33. Woche: Wenn ich groß bin, werde ich wie…

Diesmal geht es um Hauptfiguren, die wir auch gerne wären. Die exakte Formulierung des Themas ist etwas pathetischer, und es passiert sehr selten, dass ich gern wie irgendjemand wäre, weil ich im Zweifel lieber ich bin. Aber ich erzähl euch heute mal, wo mein WordPress-Pseudonym herkommt: von Joan Fine, ehemalige Joan Gant, aus Matt Ruffs „G.A.S. – Die Trilogie der Stadtwerke“.

G.A.S. ist seit Jahren mein unangefochtenes Lieblingsbuch – es ist gleichzeitig witzig, komplex, bekloppt, philosophisch, satirisch und ein bisschen anarchistisch. Es ist eins von diesen Büchern, bei denen man auf die Frage „Worum geht´s da?“ keine exakte Antwort geben kann, oder viel zu viele auf einmal. Es spielt im New York des Jahres 2023, wo meine Namenswahlverwandte versucht, einen merkwürdigen Mordfall zu lösen, bei dem Elektro-Neger eine tragende Rolle spielen – ja, ihr habt richtig gelesen, Elektro-Neger. Genauer gesamt, Automatische Diener, inzwischen ist nämlich der humanoide Roboter erfunden und marktreif gemacht worden. Die echten Schwarzen wurden von einer mysteriösen Seuche dahingerafft, bis auf die verschwindend geringe Menge derjenigen, die grüne Augen haben. Einer von diesen grünäugigen Afroamerikanern ist Philo Dufresne, seines Zeiches wohltätiger Öko-Pirat, der mit einem Unterseebot namens „Yabba-Dabba-Doo“ unterwegs ist. Sein Lieblingsgegner ist Harry Gant, der vermutlich sympathischste Kapitalist der Literaturgeschichte mit einem Faible für sinnlos hohe Hochhäuser (sein neuestes Projekt heißt dementsprechend auch „New Babel“).

Wie gesagt, das Buch strotzt nur so vor Ideen, die auf dem schmalen Grad zwischen genial und bekloppt balancieren, und jeder Menge Anleihen und Zitaten aus insgesamt 4 Jahrtausenden. Besonders schön sind auch die Diskussionen, die Joan mit Ayn Rand führt. Bei ihren Ermittlungen erhält sie von einem gewissen John Hoover eine Art elektronischen Lampengeist, der wie Ayn Rand aussieht und auch auf höchstgradig besserwisserische Art deren Ansichten vertritt (ob sie wirklich so anstrengend war, kann ich nicht beurteilen, aber ihr Hauptwerk „Atlas wirft die Welt ab“ ist es anscheinend schon). Joans grundsätzliche Sicht der Dinge hat viele Ähnlichkeiten mit meiner – abgesehen davon, dass sie Idealismus und Pragmatismus mehr oder minder gekonnt kombiniert, schreckt sie nicht vor drastischen Maßnahmen zurück, wenn es sich als unumgänglich erweist (ich rede hier von Faustfeuerwaffen. Und nein, liebe mitlesende Staatsanwälte, ich besitze sowas nicht, sondern halte es grundsätzlich mit einem anderen Zitat aus dem Buch: „Wer eine Waffe abfeuern muss, hat sie einfach nicht richtig benutzt“). Und Joan muss es am Ende nicht nur mit einem wahnsinnig gewordenen Supercomputer aufnehmen, der in Disneyland wohnt, sondern auch mit Meisterbrau, einem ausgiebig genetisch mutierten Weißen Hai. Erwähnte ich schon, dass das Buch bekloppt ist?

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