Powersätze für Examens-Kandidaten

„In der einen Norm steht müssen, in der anderen sollen. Macht das eigentlich ´n Unterschied?“

„Dazu gibt´s auch ein Urteil vom OVG Dresden.“

„Ich war schonmal beim Zivilgericht, die entscheiden viel bürgerfreundlicher!“

Zum Thema „Hundeverbot in Badeseen: „Also, wenn mein Hund kackt, dann setzt er sich erst mal so hin, und das dauert dann auch, und deswegen denke ich nicht, dass so ein Verbot sinnvoll ist, weil der kann das ja sowieso nicht im See machen.“

Merke: Geschichten über Haustiere, Frisuren und Hinweise, man könne VIP-Karten für dieses oder jenes Fußballspiel beschaffen, machen sich spitzenmäßig in der mündlichen Prüfung, man sollte unbedingt das nur lose themenbezogene Anbringen selbiger bei jeder Gelegenheit üben, dafür ist so ein Repetitorium da.

Gestern hätte ich jemandem weh tun können: es war das letzte Rep, und aufgrund diverser Terminprobleme wurden alle Gruppen zusammen acht Stunden lang in einen Raum gepackt, um Polizei- und Kommunalrecht zu lernen, wobei der Lerneffekt mäßig war, da es zu voll war (jedenfalls für meine Verhältnisse, ich fühle mich schon unwohl, wenn mehr als 5 Leute im Raum sind), und zweitens einfach nichts vorwärts ging, weil immer irgendjemand eine Anekdote erzählen musste, oder sich die fünfundfünfzigste Mögflichkeit ausdenken, wie man Verkehrsschilder unkenntlich machen kann, oder Gangbang-Witze reißen. Eigentlich neige ich ja der Ansicht zu, schlecht vorbereitet und auch sonst nicht examenstauglich zu sein, aber wenn es Leute gibt, die eine Ermessensnorm nicht erkennen, wenn sie mit einem Teewärmer auf dem Kopf vor ihnen herumhüpft, und anfangen, haltlos zu kichern und zu tuscheln, wenn das Wort „Genitaluntersuchung“ fällt, dann kann ich nicht der hoffnungsloseste Fall sein.

[Ja, ich weiß und es tut mir leid, die Powersätze sind für Nichtjuristen nicht witzig. Für alle, die es trotzdem interessiert, hier die Auflösung: 1. „Sollen“ bedeutet, dass im Regelfall die Rechtsfolge der Norm eingreift, bei atypischen Fällen oder sonst wichtigen Gründen aber davon abgewichen werden kann. „Müssen“ statuiert eine zwingende Rechtsfolge. Den Unterschied nicht zu kennen ist in etwa so, als könnte ein Arzt nicht zwischen Viren und Bakterien unterscheiden. 2. Das einzige Oberverwaltungsgericht in Sachsen steht in Bautzen. Idealerweise hat man sogar die eine oder andere Entscheidung desselben gelesen. 3. Verwaltungsgerichten wird häufig und imho zu Recht nachgesagt, sie entschieden viel zu behördenfreundlich. Da aber vor den Zivilgerichten Bürger gegen Bürger klagen, ist jede zivilgerichtliche Entscheidung „bürgerfreundlich“. 4. Argh.]

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