52 Bücher, 51 – 43: Zurückgespult

Bevor morgen das letzte Thema kommt, in aller Eile noch die Aufholjagd:

51: Ein Buch, das Du auch mit 10 XXL-Caipis intus oder für 100 Euro nicht lesen würdest – Stieg Larssons „Verblendung – Verdammnis – Versöhnung“. Weil: Inzucht, Ritualmorde und Okkultisten-Nazis, wie mir die Verfilmung vor Augen führte, sind mit meinen Ansprüchen an Unterhaltung nicht kompatibel. Der Plot dürfte im Buch kaum besser sein.

50: Bastelbücher – „Origami. Kunstwerke aus Papier“ von Jon Tremaine – Im Allgemeinen stehe ich Bastelbüchern skeptisch bis ablehnend gegenüber, weil die meisten nur starre Vorlagen liefern, beim Papierfalten braucht es allerdings genau das. Das Buch deckt von simpel und bekannt bis hin zu abgefahren und kompliziert alles ab, mit Schwerpunkt auf der leichteren Hälfte.

49: Essen und Trinken (aber kein Kochbuch) – Erwin Seitz, „Die Verfeinerung der Deutschen“. Ein Metzgergeselle, der später Geschichte studiert hat, erklärt, warum seiner Asicht nach das ewige Genörgle über mangelnde deutsche Lebensart, -kunst und -freude völlig verfehlt ist. Regionaltypische Küche spielt eine tragende Rolle.

48: Politthriller – An dieser Stelle muss ich passen, wenn ich das Genre schon höre, fange ich an zu gähnen. Meinen Bedarf an Intrigen, Korruption und dergleichen wird außerdem durch die Nachrichten ganz gut abgedeckt, aber er ist nicht besonders hoch.

47: Stapel angefangener Bücher – Steht zur Zeit jeden Morgen vor mit, wenn ich in der Bibliothek zusammentrage, was ich so über den Tag lesen will. Meistens Gerichtsurteile und Aufsätze über ein Thema, mit dem man nicht nur normale Menschen, sondern auch Juristen zuverlässig sedieren kann: Entscheidungsvorgaben im Verwaltungsrecht.

46: Es grünt so grün – Das grünste Buch in meinem Bücherschrank ist „Tiere Essen“ von Jonathan Safran Foer, sowohl bezüglich der Umschlagfarbe als auch meiner Gesichtsfarbe beim Lesen (und das Etikett „Bibel der grünen Bewegung“ hängt auch noch dran). Mal Reportage über die Abgründe der Massentierhaltung, mal sehr persönliche Familiengeschichte, muss man schon ein Stein sein, um nach der Lektüre nicht wenigstens hin und wieder zu überlegen, ob es beim Einkaufen so viel Fleisch sein muss, oder gerade das allerbilligste.

45: Zeitreise – Simon Sebag Montefiores „Katharina die Große und Fürst Potemkin“. Um die Liebesgeschichte von Zarin Katharina und Fürst Potemkin herum ersteht das 18. Jahrhundert wieder auf: Prunk am Hof und Armut drumherum, aufklärerische Ideen und miserable medizinische Versorgung, aber auch an Größenwahn grenzende Eroberungen der beiden, die trotz zahlreicher anderweitiger Affären ein Leben lang aneinander hingen.

44: Reiseführer – Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ein Ukraine-Reiseführer, der einer Stadt am Rande der Steppe, in der es außer hässlicher sowjetischer Architektur nichts zu sehen gab, ein „sehr angenehmes Flair“ attestierte und behauptete, das Zentrum lüde „zum Bummeln und Verweilen“ ein. Ich fand es trotz einiger Abhärtung, was osteuropäische Bausünden angeht, eher zum Davonlaufen. Das war aber auch der einzige Makel, ansonsten ist der Trescher-Reiseführer sehr zu empfehlen.

43: Geistige Getränke – Die Asterix-Comics. Zaubertrank, Rotwein, lauwarme Cervisia – was das Herz begehrt, in jedem Heft kommt mindestens eines davon vor.

Uff. Ich geh jetzt an die Hausbar.

9 Kommentare

  1. Aus dieser Liste kenne ich nur die Asterix-Bände, die dafür aber fast auswendig.
    Und jetzt muss ich auch mal gucken, was denn noch so an Rotwein da ist.

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  2. 51: Bis zur Inzucht und den Ritualmorden bin ich gar nicht gekommen. Ich hab das Buch schon viel früher in die Ecke geworfen, weil ich die Dialoge fürchterlich und die Charaktere klischeehaft bis zum Erbrechen fand.
    48: Dann kann er echt nicht besonders hoch sein. Verstehe ich aber. Politthriller sind das letzte. Und ich sage das nicht nur so dahin.
    47: Nur Urteile, oder sind auch ein paar Beschlüsse dabei?
    46: Als ich noch klein war, so ungefähr mit sieben oder acht muss es gewesen sein, hab ich immer mit Freude einem unserer Nachbarn zugesehen, wie er Hasen geschlachtet hat. Das war damals das Größte für mich. Heute hab ich an sowas zwar keinen Spaß mehr, kaufe mein Essen aber immer noch … Was ist eigentlich das Gegenteil von bewusst? Bewusstlos, wahrscheinlich.
    44: Reiseführer könnte ich ja gar nicht schreiben. Ich bin völlig unfähig, Flairs, Atmosphären und Stimmungen in Städten, Ländern oder sonstigen Gegenden auszumachen.

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  3. 51: Ein Buch, das Du auch mit 10 XXL-Caipis intus oder für 100 Euro nicht lesen würdest – Stieg Larssons “Verblendung – Verdammnis – Versöhnung”. Weil: Inzucht, Ritualmorde und Okkultisten-Nazis, wie mir die Verfilmung vor Augen führte, sind mit meinen Ansprüchen an Unterhaltung nicht kompatibel. Der Plot dürfte im Buch kaum besser sein.

    Der Erfolg dieser Bücher ist mir – wie bei vielen skandinavischen Krimis – total schleierhaft. Vor allem, weil die Reihe immer schlechter, anstatt besser wird.

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    1. Und dabei hab ich bloß die (erste) Verfilmung des ersten Teils gesehen. Wenn das dann noch schlimmer wird… *grusel* Aber ich hoffe, es kommen wieder andere Moden. Mit dem, was derzeit als Krimi verkauft wird, kann ich meistens nix anfangen, wenn nicht das Rätsel, sondern blanke Gewalt im Vordergrund steht.

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  4. Betriift Millenium-Triologie: Welche Verfilmung hast denn gesehen? Die mit Daniel „ich spiele übrigens Bond“ Craig oder die schwedische?

    Die Stories sind in der Tat konstruiert und unrealistisch. Daher nahezu ideal für Fieber- oder Alkoholwahn. Aber darum geht es auch gar nicht. Stieg Larsson hat(te) eine politische Mission: er hasste „Manner, die Frauen hassen“ (so der Orginaltitel des ersten Buches). Im wesentlichen geht es also um Lisbeth Salander und ihre Lebensgeschichte. Der erste Band ist daher nichts anderes als eine sehr lang gezogene Exposition (ursprünglich geplant waren 10 Bände, der erste Band von Harry Potter ist schließlich auch nicht mehr als ein nettes Kinderbuch).

    Und ganz zur Not kann man daraus immer noch ein heiteres Trinkspiel machen. Immer, wenn jemand einen Kaffee trinkt, einen Schnaps (oder ein anderes hochprozenitges Getränk eurer Wahl) trinken und ich garantiere euch: blau auf Seite 50!

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    1. So gesehen kann man aus den meisten Büchern ein Trinkspiel machen.(Ich stelle mir das grad mit einem Jura-Lehrbuch^^… ja, egal). Ich hab die „Lisbeth Salander gibt in die Adresszeile ihres Browsers ´pcmikaelblomkvist´ ein“-Verfilmung gesehen, also die schwedische. Aber wenn der erste Band ein nettes Kinderbuch war, dann wäre ich ja auf Nr. 10 gespannt gewesen… und dass es eigentlich um Lisbeth und ihre Traumata geht, hatte ich schon vermutet, aber sie ist als Charakter dermaßen unzugänglich und überkonstruiert – nichts an ihrem Verhalten ist völlig unplausibel, aber es macht auch nichts davon neugierig auf mehr von ihr oder ihrem Hintergrund – ging jedenfalls mir so.

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