Monat: Januar 2013

Metanarration und Billigbier (1/52)

„52 Bücher“ sind wieder da, und damit sich arme kleine Studenten nicht übernehmen, oder einfach aus Gründen der Puscheligkeit, fangen wir mit was Leichtem an: „Was liest du zur Zeit?“

„Fool on the Hill“ von Matt Ruff, über den ich  schonmal geschrieben hatte, lag diese Woche zum zigsten Mal wieder auf meinem Nachttisch. Es ist eine große Hommage an die Cornell University in Ithaca (Mr. Ruff hat da studiert), an das Studentenleben, ans Erzählen an sich und an Hunde. (Und Shakespeare, soweit ich das beurteilen kann.) Einerseits wären da die Bohemier, eine betont nonkonformistische Studentenverbindung, die in ihrem Abschlussjahr möglichst viel Spaß haben möchten, des weiteren George, hauptberuflich Geschichtenerzähler, der seine Traumfrau sucht und den Wind rufen kann, sowie Mischlingshund Luther, der die Universität für den Himmel hält. Allerdings inszeniert ein ominöser Mr. Sunshine, ein „griechisches Original“, ein Grimmsches Märchen und noch ein paar andere Geschichten neu und bedient sich dabei auf eine teilweise recht rücksichtslose Art und Weise der Protagonisten, die ja eigentlich Mr. Ruffs Protagonisten sind, der aber trotzdem keine Skrupel hat, sie Mr. Sunshines unsubtilen Späßen auszusetzen. Es sind ein paar wunderbare Reflexionen über das Geschichtenerzählen in dem Buch, aber auch Passagen, in denen man merkt, dass der Autor frisch von der Uni kommt und die Puppen mal so richtig tanzen lassen will. In „G.A.S.“ hat sich Matt Ruff meiner bescheidenen Ansicht nach so weit perfektioniert, dass man ich viele Verbindungen oder Metaspäße erst beim wiederholten Lesen mitbekommen habe, in „Fool on the Hill“ ist er noch etwas holzhammermäßiger (Affen an Schreibmaschinen, jaaah… schon gut), aber dafür auch frischer unterwegs, und er bekommt es irgendwie hin, über Romeo und Julia, Kobolde, Modellbauschiffchen, Krieg, Wahre Liebe, Erste Liebe, Gummipuppen, Tolkien, Studentenverbindungen, Rassismus, den Ku-Klux-Klan, Kiffen, den Tod, Katzen, Atheismus, Prinzessinnen, Dosenbier, Drachen, wahnsinnige Doktoranden und noch einiges mehr zu schreiben, ohne das das Buch allzu sehr auseinanderfliegt.

Und weil ich so herummäandere, mache ich es mal wie die Buchrezenten im Radio und hänge meine Schlussfolgerung als Prädikat nochmal an: „Fool on the Hill“: Empfehlenswert. Es sei denn, man mag keine Universitätsgeschichten.

 

Schultermonster

schultermonster

Manchmal scheint mir so ein Viech auf der Schulter zu sitzen. Dann schleppe ich mich so durch den Tag, sehe überall nur schlechte Nachrichten und wundere mich noch darüber, dass ich die Nackenschmerzen nicht los werde.

Bergtrollkinderstube (1)

bergtroll

Das heulende Trollkind ist ungefähr so geworden, wie ich mir das dachte. Der Rest nicht. Mein Problem damit: der ganze Bildaufbau ist viel zu statisch, und eigentlich wollte ich ein überfürgsorgliches Trolleltern…teil, aber da man sein Gesicht nicht sieht und auch kein direkter Kontakt zum Kind da ist, kommt das nicht so richtig rüber. Ziemlich genau in dem Moment, in dem das Bild eingescannt war, fiel mir auf, wie ich das anders hinkriegen könnte, und vor allem so, dass ich viel weniger Fläche mit Hintergrund füllen muss (ich kann Hintergründe nicht ausstehen. Vor allem dann nicht, wenn es Landschaften sind), aber als Vorabskizze lasse ich das hier erst mal so stehen.

Trennungsschmerz

Ungefähr ein dreiviertel Jahr lang war er mein ständiger Begleiter: dank ihm wusste ich morgens schon beim Aufstehen, was ich den Tag über machen würde, und abends beim Einschlafen, was ich den nächsten Tag machen würde, und hing ich mal einfach nur irgendwo herum, brüllte er mir sofort ins Ohr, was das solle, ich verschwendete Zeit, in der ich noch etwas lernen könnte. Jetzt ist er weg, hat mich gestern abend nach der mündlichen Prüfung einfach stehen lassen. Und obwohl er, wie aus obigen Zeilen hervorgeht, ein ziemliches Arschloch war, fühle ich mich gerade sehr leer – ohne den Prüfungsstress.

Möglicherweise, schwant mir inzwischen, habe ich mich in dieses blöde Examen viel zu sehr reingesteigert. War mir mein Abitur noch herzlich egal, weswegen ich das ganz entspannt angehen konnte, hatten sich in den Jahren danach die Möglichkeiten beachtlich reduziert – sowohl was die Dinge anging, die ich in meinem Leben machen könnte, als auch die, die ich machen wollte. Handwerkerin werde ich nun also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr, und diese Einengung auf eine bestimmte Sache, nämlich die Juristerei, bei der es mir obendrein wichtig war, mich nicht über Gebühr zu blamieren (vor meinen Eltern, meinen Freunden, dem Rest der Welt), hat meinen Nerven nicht besonders gut getan. Mit dem Ergebnis bin ich hingegen ganz zufrieden. Ohne das Reinsteigern und die freundliche Unterstützung des Prüfungsstresses hätte ich vermutlich nie so viel gelernt, wie ich es getan habe, allerdings fällt es mir schwer, jetzt wieder umzuschalten. Was, zur Hecke, habe ich eigentlich den ganzen Tag gemacht, bevor der Prüfungsstress kam? Zum Glück stehen noch ein paar kleinere universitäre Sachen an, und die Arbeit ruft auch schon wieder, sodass ich – hoffe ich zumindest – in kein allzu tiefes Loch falle. Außerdem ist nach dem Examen ja bekanntlich vor dem Examen.

Rundfunkbeitragsbashing ist billig, macht aber Spaß.

Der ehemalige Verfassungsrichter Dieter Grimm hat der FAZ ein Interview gegeben, in welchem er sich für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk allgemein und dessen Gebührenfinanzierung speziell stark macht. Selbst wenn ich vorher nicht dagegen gewesen wäre, wäre ich es spätestens jetzt, denn seine Gründe sind so schwammig, dass ich mich schon wieder frage, ob das nicht Absicht sein könnte und er eigentlich… aber das ist wohl zu viel um die Ecke gedacht.

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Liebe Bekleidungsindustrie,

meistens beschweren sich ja Leute bei dir, die finden, dass du nur für normschön-schlanke-große Menschen produzierst, jedenfalls meiner Wahrnehmung nach. Die großen Dünnen kommen bei dir aber nicht besser weg, sodass du dir jedenfalls Mühe zu geben scheinst, dass deine Kunden alle unzufrieden sind, das möchte ich an dieser Stelle würdigen.

Das geht schon bei den T-Shirts los. Es gibt kaum welche, die ich anziehen kann, ohne dass sie an den Schultern spannen, an der Taille schlackern und kurz unterm Bauchnabel schon zu Ende sind, was ich meinen Mitmenschen nicht zumuten möchte. Dabei habe ich nie Schwimmsport gemacht, und so dürr bin ich nun auch wieder nicht. Sind die großen Magersüchtigen etwa nur auf den Plakaten, und die Klamotten sind im Ergebnis doch eher für kleine, kompakte Frauen mit kurzem Rücken geschneidert? Kommt mir bisweilen so vor. Auch ist der aktuelle Trend mit den weiten Hosen, vor allem bei Kostümen, ja an sich nicht besser oder schlechter als andere. Aber weite Hosen, die schon am Knöchel zu Ende sind, dafür aber am Bund so weit, dass ich damit diese Vorher-Nachher-Diätfotos nachstellen könnte – beim ersten Mal dachte ich „Hm, dieses Label schneidert offenbar nach anderen Durchschnittsmaßen, passt halt nicht, nächstes“, aber heute hatte ich ein gutes Dutzend solcher Hosen in der Hand, markentechnisch betrachtet querbeet. Von Blazerjacken, die entweder normal anliegend sind, aber so kurz, dass ich aussehe, als hätte ich jüngeren Geschwistern was geklaut, oder im Gegenteil zwar lang genug, aber so breit, dass ich mich mit Ballons auspolstern müsste, mal ganz zu schweigen.

Liebe Bekleidungsindustrie: wenn du schon mit großen magersüchtigen computeroptimierten Models plakatierst, dann sorge doch bitte dafür, dass große dünne Menschen wenigstens gelegentlich in deinen Läden fündig werden.

Höllische Verkehrs-AG, was kann ich für Sie tun?

Anrufer 1: „Heute bin ich mit dem 60-Minuten-Ticket in die Stadt gefahren, und als ich zurückfahren wollte, sagte mir der Busfahrer, das reicht nicht, ich muss ein neues kaufen, das ist ja schon unverschämt!“ – „Wieso, wie lange war ihr Ticket denn noch gültig, als Sie einstiegen?“ – „Ja, es war halt noch gültig, und ich kann doch nicht wissen, wie lange der Bus fährt, das ist doch nicht mein Problem!“ Okay, anders. „Wie lange dauert denn die Busfahrt?“ – „Bis 11:33. Und 11:13 bin ich eingestiegen.“ – „Und das Ticket war noch so lange gültig?“ – „Nein, das war bis 11:15 Uhr, aber ich bin doch dann schon losgefahren, was weiß denn ich, wie lange der Bus braucht!?“ Atmen, Joan, immer schön atmen. „Aber wenn sie in der 58. Minute Ihres Tickets eine 20-Minuten-Fahrt antreten, dann wissen Sie doch schon, dass Sie länger fahren, als Ihr Ticket gültig ist.“ – „Aber wenn der Bus eine Verspätung hat?“ Einatmen. „Hatte er denn Verspätung?“ Ausatmen. „Nein, aber hätte ja.“ Einatmen. „Das 60-Minuten-Ticket heißt so, weil es in der Gültigkeit zeitlich begrenzt ist, nämlich auf 60 Minuten, und wenn die rum sind, brauchen Sie ein neues. Wenn die Zeit abgelaufen ist, wird es also ungültig, egal, wo sie gerade sind, nicht erst am Fahrtende.“ – „Also, das ist ja verwirrend, da würde ich mir aber eine klarere Kennzeichnung wünschen, woher soll man das denn wissen?“ Jetzt bloß nicht sarkastisch klingen. „Ich werd´s weiterleiten, ja? Wiederhören!“

Anrufer 2: „Ich möchte mich beschweren! Der Bus ist mir gerade vor der Nase weggefahren, und auf den nächsten muss ich jetzt fünfzehn Minuten warten! Fünfzehn! FÜNFZEHN! Das ist ein Unding, FÜNF-ZEHN MI-NU-TEN! Wofür zahl ich eigentlich das ganze Geld?“

Anrufer 3: „Wie komm ich´n von hier nach Bchmhsn?“ – „Wo sind Sie denn?“ – „Na, am Bahnhof.“ – „Und in welcher Stadt?“ – „AM BAHN-HOF!“ – „Ja, und in welchem Ort liegt dieser Bahnhof?“ – „Na, in Kleinrode!“ – „Und wo möchten Sie hin?“ – „Nach Bchmhsn, hab ich doch gesagt!“ – „Könnten Sie das wiederholen, die Verbindung ist nicht so gut?“ (Das ist komplett gelogen, aber Leuten sagen, das sie undeutlich reden und doch bitte die Zähne auseinander kriegen mögen, bringt in aller Regel überhaupt nichts.) – „B-CH-M-HSN!“ – „Benndorfhausen?!“ – „HAB ICH DOCH GESAGT, und wie komm ich jetze dahin?“ – „Einen Moment, die Verbindung wird gerade…“ – „Ach, das dauert mir jetzt eh zu lange. Kann ich auch laufen. Tschüss.“

Anrufer 4: „Ich kann hier in [Ortsteil] nirgendwo ein Bahnticket kaufen?! Ich brauch morgen ein Gruppenticket für 5 Personen.“ – „Ja, die Bahnhöfe X, Y und Z sind gesperrt zur Zeit, da fahren nur Busse als Schienenersatzverkehr… kommen Sie denn am Hauptbahnhof vorbei?“ – „Nein, das ist mir zu weit. “ – „In ihrer Nähe ist ein Reisezentrum der DB, da bekommen Sie auch das Ticket.“ – „Das kostet aber mehr?!“ – „2 Euro mehr, aber vielleicht können Sie sich die mit Ihren Mitfahrern teilen, dann sind es für jeden nur 40 Cent?“ – „Nein, ich will auf keinen Fall mehr bezahlen! Gibt´s das nicht auch im Bus?“ – „Nur Einzelfahrscheine, aber nicht die Gruppentickets.“ – „Aber die am Telefon von der Deutschen Bahn AG hat gesagt, die Fahrscheine werden auch im Bus anerkannt!“ – „Anerkannt, aber nicht verkauft.“ – „Und wie kriege ich jetzt meinen Fahrschein?!“ – „Entweder im Reisezentrum, oder sie versuchen´s mit dem Online-Ticket?“ – „Nein, das will ich nicht. Zu teuer. Wieso sind die Bahnhöfe gesperrt, früher konnte man da doch Tickets kaufen!? Ich brauche morgen ein Gruppenticket…[ad.inf., jedenfalls so lange, dass er mit den 2 € Aufpreis im Reisezentrum wesentlich billiger gekommen wäre.]