52 Bücher (x/52)

52 Bücher, Woche 3: Das nächste MUST-HAVE-Buch. – Immer das, was mich gerade interessiert. Und dann kaufe ich spontan irgendwas ganz anderes. Zuletzt: Rüdiger Safranskis „Ein Meister aus Deutschland – Martin Heidegger und seine Zeit“.  Ich hatte von Safranski schon „Schopenhauer oder Die wilden Jahre der Philosophie durchblättert und fand es ganz interessant, aber der Heidegger ist laaaaaaaangweilig – zu viel wabende Philosophie, von der ich nichts verstehe (Phänomenologie, anyone? Ich lerne gern dazu, aber das war mir zu…. hoch. Oder zu tief. Je nach dem.), und sobald es anfängt, biographisch interessant zu werden, gibt es mehr wabernde Philosophie. Ich rate ab.

52 Bücher, Woche 4: Zeige uns ein schwarz-weiß-blaues Buch.

Der Brigitte-Kommentar dazu ist kompletter Quatsch. Zu den Ausführungen zur Malerei, die da getätigt werden, schreibe ich vielleicht extra mal was, denn für mich war die Beschreibung der Farben, der Grundierung, des Anmischens – kurz, der ganze handwerkliche Kram, sehr spannend, bei den theoretischen Ausführungen rollten sich mir ein bisschen die Fußnägel (man müsse nur die „Wahre Stelle“ eines Bildes finden, der Rest geht von allein. *schnrchl*) Ach so, die Story: der exilierte holländische Maler Jan Massys kommt 1550 nach Genua und soll dort den alt gewordenen, aber immer noch Respekt einflößenden Piraten Andrea Doria porträtieren. Er trifft allerhand seltsame Gestalten, begleitet Doria auf seinen Seeschlachten und verliebt sich außerdem in eine Schauspielerin (allerdings nehmen, jedenfalls meinem Gefühl nach, allein die Ausführungen über den Schiffbau mehr Raum ein als die Liebesgeschichte, die zudem gar keine richtige ist. Fand ich persönlich sehr angenehm.) Leiser Nachteil: die Figuren sind alle reichlich konstruiert, in fast jedem Handwerker steckt ein Philosoph, in fast jedem Penner ein eloquenter Wahnsinniger. Da ich grundsätzlich die Frühe Neuzeit aber mag, war das Buch in puncto historischer Roman mal eine angenehme Abwechslung.

52 Bücher, Woche 16: Welchem Autor wolltest Du schon mal was nettes sagen? ;-) Oder was würdest Du gerne mal fragen… Stephen King wurde schon so oft gefragt, ob er sich nicht mal kürzer fassen kann (völlig ergebnislos, übrigens), dass ich das nicht mehr machen muss. Wen ich außerdem gerne was fragen würde, ist Matt Ruff, nämlich Folgendes: Was ist mir an seinem neuen Buch entgangen? Ruff ist einer meiner Lieblingsautoren, aber „The Mirage“ ist einfach nur seltsam. Es fängt interessant an – in einer Welt, wie sie vielleicht aussehen könnte, wenn die arabischen Staaten Weltmacht wären („United Arab States“) und einen  gemäßigten Islam pflegten. Die USA wären ein rückständiges Drittweltland voller christlich-fundamentalistischer Fanatiker, von denen einige ein Attentat auf das World Trade Center in Bagdad verüben – am 9.11. Und so ist das ganze Buch – 9/11 spiegelverkehrt. Die Details sind famos, das Personal mit Humor erfasst, und bis zur Mitte ist es ein Was-wäre-wenn-Spionage-Alternative-History-Thriller, bis die Theorie ins Spiel kommt, man befände sich in einer Parallelwelt – der Mirage – in die gelegentlich Artefakte der echten, also unserer gelangen, unter anderem Zeitungsausschnitte vom 9.11.2001. Die Auflösung hat irgendetwas mit einem Dschinn zu tun, und ich blieb nach der Lektüre mit dem Gefühl zurück, dass entweder ich etwas gründlich übersehen hatte oder Mister Ruff hat in das Buch viel zu viel hineingepackt, sodass am Ende keine Luft mehr blieb für eine ordentliche Auflösung. Mal abgesehen davon, dass es derer meiner Meinung nach gar nicht bedurft hätte, er hätte das Ganze einfach so lassen können.

52 Bücher, Woche 18: Weltuntergang oder mach doch, was du willst. – Leo Perutz, „Der Meister des jüngsten Tages“. Anfangs sehr klassisch, später sehr mehrdeutig: während einer Konzertgesellschaft (Anfang des 20. Jahrhunderts) erschießt sich der Schauspieler Eugen Bischoff, der schon länger mit kreativen Blockaden zu kämpfen hatte. Die Ermittlungen beginnen erst etwas „Whodunnit“-mäßig, doch als Ingenieur Solgrub eine Verbindung zu mehreren mysteriösen Selbstmorden herstellt, gerät eine Droge ins Blickfeld, die angeblich die Kreativität beleben soll, tatsächlich jedoch schnurstracks in den Wahnsinn führt. Wer sie raucht, sieht die Farbe Drommetenrot, in der der Himmel während der Apokalypse leuchten soll. Ich-Erzähler Freiherr von Yosch probiert sie ebenfalls und kann gerade noch mittels Faustschlag davon abgehalten werden, sich zu erschießen. In einem Nachwort jedoch gibt es Hinweise, dass Yosch Bischoff selbst erschossen hat, da er Bischoffs Frau liebte, und sich eine besonders kreative Verdrängung ausdachte.

52 Bücher, Woche 21: Ein bestimmtes Genre. – Mit Robert Harris´ „Imperium“ und „Lustrum“ entdecke ich gerade den historischen Roman wieder. [Nachtrag: da geht´s um Ciceros Aufstieg zum Konsul. Bei meinem Blog-Titel quasi Pflichtlektüre.] Und davor kam „Die blaue Galeere“, das passt da auch ganz gut rein. Bis dahin hatte ich mir (abgesehen von Ken Folletts „Fall of Giants“ und „Winter of the World“) lange nichts Historisches mehr gegeben, zum einen aus Geiz und zum anderen, weil in dem Genre (oder jedenfalls in der Auslage der Buchläden) sich so viel auf Wanderhuren-Niveau abspielte, dass man glatt zum Untergang des Abendlandes aufrufen möchte.

4 Kommentare

    1. Irgendwie bin ich gegen die allergisch… aber dafür lese ich manchmal gerne das Vampirromanäquivalent zur Wanderhure, also gleicht sich das wohl wieder aus.

      Liken

        1. Stimmt, Anne Rice, an die dachte ich vorhin gar nicht. Oder True Blood, oder Twilight, oder… mir fällt grad der Name nicht ein. Auch ne Reihe, jedenfalls.

          Liken

Mitreden

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.