Monat: September 2013

Warum Schwarz-Grün besser ist

Unter einem Aspekt wäre Schwarz-Grün jedenfalls definitiv einer großen Koalition vorzuziehen: Schwarz-Grün wäre kontrollierbarer.

Schlössen sich Union und SPD zusammen, wäre das nicht einfach nur eine Große, sondern eine Größte Koalition mit insgesamt 503 von 630 Sitzen.  Die verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit liegt bei 420 Sitzen und ist damit sogar mit einem guten Puffer gegen „Abweichler“ überschritten, was heißt, dass die Regierungsfraktionen nach Belieben im Grundgesetz herumpfuschen können dass Verfassungsänderungen dann jedenfalls theoretisch deutlich leichter fallen. Und dazu kommt die Tatsache, dass die verbliebene Opposition ein wichtiges Recht nicht mehr wahrnehmen kann: den Untersuchungsausschuss, oder vielmehr: die Einsetzung eines solchen gegen den Willen der Regierung. Gemäß Art. 44 GG ist dies nur dann möglich, wenn mindestens ein Viertel der Mitglieder des Bundestages es verlangt, allerdings sind das bei 630 Sitzen aufgerundet 158 Abgeordente, die es dafür braucht, während Grüne und Linke aber zusammen nur auf 127 kommen. Zwar können sie Anfragen zum Regierungshandeln stellen, aber da die Drohung eines eventuellen Untersuchungsausschusses vom Tisch ist, könnte die Beantwortung der Anfragen darunter möglicherweise etwas leiden. Zwar steht dem Fragerecht der Abgeordneten auch eine notfalls vor dem Bundesverfassungsgericht einklagbare Antwortpflicht der Regierung gegenüber – dennoch würde „ein fester Bestandteil der parlamentarischen Demokratie und der Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition“ plötzlich fehlen, der von beantworteten Anfragen wahrscheinlich nur unzureichend ersetzt werden kann.

(Was bei Sondierungen, Vor-Sondierungen oder Vorsondierungsvorgesprächen, oder was immer gerade aktuell ist, höchstwahrscheinlich absolut keine Rolle spielt. Ich mein ja auch bloß.)

Huch, Bücher, da war ja noch was.

28. Woche: Ein Buch, wodurch du etwas gelernt hast.

An dieser Stelle mache ich ein bisschen Serviceblogging für alle Referendare, die sich vielleicht jemals auf diese Seite verirren und nicht wissen, was sie sich für Lehrbücher kaufen sollen. Also vielleicht 0,5 Leute. Egal. Uns wurde am Anfang eindringlich „Anders/Gehle: Das Assesorexamen im Zivilrecht“ empfohlen, weil das hierzulande der „Goldstandard“ sei. Für die knapp 40 Euro, die das Ding kostet, kauft euch am besten was anderes. Das Buch ist stellenweise arg oberflächlich, es gibt kaum weiterführende Literaturhinweise, und die dort angebotenen Textbausteine kamen jedenfalls bei meinem Ausbildungsrichter nicht gut an. Lernen kann man dagegen sehr schön mit „Rainer Oberheim: Zivilprozessrecht für Referendare“, eins der wenigen Bücher, bei denen mir sogar der didaktische Aufbau gefällt und der bislang zu allen Problemen, die mich ratlos machten, eine verständliche Antwort gab und auch genügend Literaturhinweise bietet.

26. Woche: Ein Kochbuch, dem man wirklich bedingungslos vertraut.

Inzwischen fast keinem mehr, irgendwas findet man immer, was nicht richtig funktioniert. Sehr zu schätzen weiß ich da Horst Scharfenbergs „Aus Deutschlands Küchen“. Dort sind alte Originalrezepte aus den meisten regionalen Küchen versammelt, Klassiker wie Zwetschenkuchen und Leipziger Allerlei (das Original könnte nicht weiter vom gleichnamigen toten Dosenfutter entfernt sein. Allerdings ist das eine logistische Herausforderung, für die man am besten eine gutbürgerliche Großküche mit mehreren Angestellten haben sollte) ebenso wie Offiziersbowle. Zwar gibt es Mengenangaben und eine grobe Zubereitungsanleitung, viel bleibt aber dem oder der Kochenenden überlassen. Ein paar der Mengenangaben sind auch etwas daneben (für die Böhmischen Zwetschgenknödel waren viel zu viele Zwetschgen angegeben – die Menge ergibt nur Sinn, wenn die Teile früher wesentlich kleiner waren, was ich aber nicht glaube), im Großen und Ganzen ist es aber gerade wegen der vielen Freiheiten ein sehr vertrauenswürdiges Kochbuch.

25. Woche: Wo in deinem Haus/deiner Wohnung finden sich überall Bücher und wo nicht?

Klassisch: Fachliteratur im Arbeitszimmer, Kochbücher in der Küche, und der große Rest im Wohnzimmer bzw. Flur.

23. Woche: Ein Buch eines Autors, dessen Werke von den Nationalsozialisten verbrannt wurden und/oder der vom Regime verfolgt wurde.

Joseph Roth, „Radetzkymarsch“. Roth, der Anfang 1933 ins Exil nach Frankreich ging, erlebte den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nicht mehr, und hinterließ mit seinen Werken ein Denkmal für seine untergegangene Heimat Österreich-Ungarn. Das Geschlecht der Trottas – dessen Begründer dem Kaiser Franz Joseph I. das Leben rettete – geht allmählich seinem Niedergang entgegen, der Enkel Carl Jospeh hat nichts mehr mit dem heldenhaften Großvater gemein, und in seinen Tagen scheint es in der Donaumonarchie nur noch „Enkel“ zu geben, die sich in vergangenem Glanz sonnen, aber unfähig sind, die morsche, erstarrende Gesellschaft zu erneuern. Ein melancholisches Buch, man schaut quasi der Donaumonarchie beim Sterben zu, aber sie stirbt mit einer gewissen Grazie.

22. Woche: Bücherregal für Jugendliche einrichten (welche Bücher gehören gut versteckt ;-) )

Gar keine, zumindest gibt es kein Buch, das ich kenne, das ich wirklich verstecken würde. (Aber eventuell ein paar Takte dazu sagen, wenn der oder die hypothetische Jugendliche das liest.) Ich finde es schwierig, zu beurteilen, was einem Jugendlichen schaden könnte und was nicht. Im Rahmen des Projektes habe ich schonmal erwähnt, dass meine Eltern einen ausgesprochen umfangreichen Bücherbestand haben, von dem, so weit ich weiß, mir auch nichts bewusst vorenthalten wurde. Wenn ein Buch für mich „zu starker Tobak“ war, hab ich es einfach nicht weitergelesen, und idealerweise lernen das auch die hypothetischen Jugendlichen, denen ich ein Bücherregal einrichte.

Ich bin eine Liberale, verachtet mich!

Hauptsächlich natürlich, weil ich dafür eintrete, dass Leute von ihrer Arbeit nicht leben können, im Winter frieren und schlussendlich auf der Straße oder noch besser im Straßengraben verrecken. Hätten sie halt was Vernünftiges gelernt. Außerdem bin ich total sozialkalt, würde niemals irgendwem helfen, und sei es, dass es mich nichts außer 5 Minuten meiner Zeit kostet, denn schließlich hat sich jeder selbst die Lage zuzuschreiben, in der er sich befindet, was mich schon verdächtig in die Nähe der Nazis rückt, denn die waren ja auch dafür, dass jeder das Seine kriegt. Außerdem propagiere ich Egoismus, Opportunismus, das mit der Sozialkälte hatte ich zwar schon, aber man kann es nicht oft genug sagen, und überhaupt rundum den totalen, schieren Eigennutz. Ich klatsche Unternehmern Beifall, die ihre Arbeitnehmer mit Hungerlöhnen abspeisen, sie schuften lassen, bis sie umfallen, und ihnen schlussendlich kündigen und sich natürlich mithilfe gerissener, schmieriger Winkeladvokaten ihrer Verpflichtung zur Abfindungszahlung entledigen. Südeuropäische Länder gehören geknechtet, bis dort alle am Boden liegen, damit sie das mit dem Sparen endlich mal lernen. Wie jetzt, Finanzmärkte? Was können die dafür, wenn andere zu doof sind, ihre Angelegenheiten zu regeln? Außerdem bin ich voll dafür, alle Menschen (bis auf oben erwähnte Unternehmer natürlich) in der kapitalistischen Tretmühle rennen zu lassen, bis sie umfallen, damit sie auf keinen Fall dazu kommen, die Verhältnisse oder auch nur ihr eigenes Leben zu reflektieren, denn wer schwach ist, ist schließlich selbst dran schuld, faul und dumm und hat keinerlei Unterstützung verdient, sonst könnte man sie auch gar nicht mehr so schön ausbeuten. Sozialer Frieden ist mir übrigens komplett egal, ich wohne dann einfach in einer abgesicherten, von einer privaten Security bewachten Wohnanlage. Das geht natürlich nur, indem ich mich an die fiesen Unternehmer ranschmeiße und für sie die schmierige Winkeladvokatin gebe, die es ihnen erlaubt, sich auch noch aus der letzten sozialen Verpflichtung herauszuwinden. Und aus ihren Steuerpflichten sowieso.

[Ich weiß manchmal nicht, was mich mehr aufregt. Dass man sich dank der FDP nach vier Jahren, in denen „Liberale“ an der Regierung beteiligt waren, immer noch mit demselben Quatsch auseinandersetzen muss, sobald man das Wort „liberal“ in den Mund nimmt. Oder dass es Leute gibt, die bereitwillig und bedenkenlos anderen derartig fiese und außerdem dumme Ansichten unterstellen, dass ich manchmal lieber nicht wissen will, was in deren Kopf sonst noch vorgeht.]