Wider das Fachidiotentum

Ja. Jahaaaa, ich weiß, das Blog ist allmählich so gut wie untot. Niemand bedauert das mehr als ich, glaubt mir. Umso mehr freue ich mich, dass hier immer noch Leute vorbeischauen. Sogar ein Stöckchen von Hemator hat mich getroffen! Bevor das Holz hier vermodert, ergreife ich die Gelegenheit und präsentiere: meine 5 Buchvorsätze für 2014, examensrelevante Jurabücher exklusive.

1. Locke & Key, Band 6. Morgen Mitte Juni (Warum verlegt Panini eigentlich immer kurzfristig die Erscheinungstermine? Passiert jedesmal wieder etwas anderes vollkommen Unvorhersehbares?) erscheint endlich der letzte Band der Comicreihe „Locke & Key“, über die ich hier schon mal geschrieben habe. Nachdem der fünfte Band mit einem blutigen Rückblick, leichter Verwirrung meinerseits und einem fiesen Cliffhanger endete, werde ich vermutlich noch im Laden anfangen, zu lesen, weil ich endlich wissen will, wie´s ausgeht.

2. Martin Malia: „Vollstreckter Wahn“. Fliegt schon seit Ewigkeiten bei mir rum, und bedauerlicherweise bin ich über die ersten Kapitel nie hinausgekommen. Malia untersucht die Frage, ob der Sozialismus in der Sowjetunion die Entartung einer prinzipiell guten Idee war, oder ob vielmehr im Sozialismus selbst schon die Wurzeln des totalitären Übels lagen. Aufgrund der ersten Kapitel nehme ich an, er tendiert zu letzterem, und will endlich mal wissen, warum.

3. „Kitsch. Texte und Theorien“ aus dem Reclam-Verlag. Mein Taschenbuch für unterwegs, wenn ich intellektuell wirken möchte – so häufig kommt das allerdings nicht vor, sodass ich auch mit diesem Buch seit Urzeiten partout nicht fertig werde. Dabei ist es eine größtenteils sehr kurzweilige chronologische Sammlung kulturtheoretischer Betrachtungen zum Phänomen des Kitsches und der Frage, wie man ihm beikommt. Oder ob man das überhaupt muss. Insbesondere die Texte aus dem frühen 20. Jahrhundert atmen noch einen ganz naiven Charme idealistischer Volksbildungsvorsätze. Für die eher untergangdesabendslandesmäßigen Diagnosen ist unter anderem auch Adorno dabei und zur Zeit stagniere ich in einem Aufsatz über Kitsch in der Sowjetunion.

4. „Physiologie des Menschen“. Ein Buch, dass ich irgendwann mal günstig als Restposten erwarb, um mein wirklich kümmerliches Wissen über medizinische Basics aufzubessern in dem Glauben, es enthalte leicht verständliche Populärwissenschaft (wegen der zahlreichen Farbfotographien und Abbildungen), dass es aber, jedenfalls für mich als naturwissenschaftliche Laiin, ganz schön in sich hat.

5. Paul Münch: „Lebensformen in der Frühen Neuzeit“. Eigentlich ein pars pro toto für den ganzen spannenden Bestand meines Freundes, aber wenn ich jedes einzelne Buch davon aufliste, das ich gerne lesen würde, dann bin ich frühestens heut abend damit fertig. Bei dem hier hoffe ich, dass der Klappentext hält, was er verspricht: „Wie wir Geburt, Krankheit, Tod erleben, wie wir miteinander umgehen, wie  wir essen, wohnen arbeiten und feiern […] – dies alles verbindet uns in vielen Einzelheiten mit der Welt des alten Reiches.“ (Gemeint ist die Zeit von 1500 bis 1800.) Wie Menschen ihre Welt erleben, finde ich grundsätzlich schon interessant, und noch interessanter, wenn es darum geht, wie bestimmte gesellschaftliche Vorstellungen und Wahrnehmungen sich entwickelt haben.

Eigentlich gehört es sich ja, hab ich mir sagen lassen, Stöckchen weiterzuschmeißen. Da aber einige Zeit ins Land gegangen ist, das Stöckchen schon weit rumging und ich gerade zu faul bin, mir einen Überblick darunter zu verschaffen, wer es noch nicht gehabt haben könnte, lasse ich es einfach hier liegen. Wer mag, kann es sich gern mitnehmen.

7 Kommentare

    1. Im Wesentlichen versucht er, soweit ich das bislang verstanden habe, sich gegen eine Strömung in der Geschichtswissenschaft zu wenden, die die Sowjetunion für ein grundsätzlich gutes Experiment hinsichtlich der Umsetzbarkeit des Sozialismus und eine vielversprechende Utopie hielt, die nur leider von den falschen Leuten (sprich: Stalin) zu einem totalitaristischen Staat pervertiert wurde. („Der Sozialismus ist eine gute Idee, die nur schlecht umgesetzt wurde.“) Malias These ist, dass das sozialistische Experiment zwangsläufig in eine Terrorherrschaft münden musste (wie gesagt: bei der Begründung bin ich noch nicht). Aus libertäter Perspektive keine Überraschung, aber die vorherrsche Anschauung in der Geschichtswissenschaft war wohl lange Zeit das, was ich oben beschrieben habe. Hilft dir das irgendwie weiter?

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      1. Mich deucht, mir ist vor allem nicht klar, wovon wir reden, wenn wir von dem sozialistischen Experiment sprechen. Was genau meint er damit? Sozialismus ist doch ganz allgemein erstmal bloß die Vergesellschaftung von Eigentum. Oder wie?

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        1. Tut mir leid, dass hat jetzt echt gedauert – ich wollte nochmal in Ruhe über die Definition nachdenken, aber Ruhe ist derzeit so eine Sache…
          Ohne Expertin zu sein, aber spontan würde ich sagen, dass Sozialismus durchaus mehr ist als die Vergesesllschaftung von Eigentum, sondern sich eher auf ein ganzes Gesellschaftsmodell bezieht (zB darauf, was mit dem vergesellschafteten Eigentum passiert, wie es verwaltet wird, wie der Zugang dazu geregelt wird, wie innerhalb dessen Ansprüche Einzelner bewertet werden, wie dann die Gleichheit aller genau erreicht werden soll… ) so habe ich den Begriff bislang jedenfalls verstanden. Um etwas weniger herumzueiern, würde ich ja gern eine Definition aus dem Buch einbringen, leider gibt es da keine – Malia geht in der Einleitung darauf ein, was für ein vielfältiger und schillernder Begriff „Sozialismus“ ist, und belässt es dann dabei, was ich gerade ziemlich ärgerlich finde.

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          1. Ja, dann wären wir in der Tat wieder bei meiner Ausgangsfrage und der Erkenntnis, dass Herr Malia offenbar selbst nicht weiß (oder nicht verraten will), was er eigentlich zu ergründen trachtet. Womit sich mir der Sinn der Untersuchung verschließt.
            (Ich wäre ja offen für jede Definition, aber wenn er einfach keine liefert, ist das schon … nicht so überzeugend.)

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