Interstellar

Wer vorhat, sich den Film noch anzuschauen, und das unbeschwert genießen möchte bzw. auf sowas Wert legt, der betrachte sich bitte als nachdrücklich vor massiven Spoilern gewarnt.

Worum geht´s? Der ehemalige NASA-Testpilot Cooper hat mit Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen. Er lebt mit Kindern und Schwiegervater auf einer Farm und baut Mais an, was ihn ersichtlich nicht auslastet – trotz der Herausforderungen, die die immer ungünstiger werdenden Bedingungen auf der Erde an den Ackerbau stellen. Staubstürme, Klimaveränderungen und Krankheiten haben zu einer radikalen Beschränkung allen menschlichen Strebens auf das zum Überleben notwendige geführt. Scheinbar übernatürliche Aktivitäten im Zimmer seiner Tochter Murph führen Cooper zu den Überresten der NASA, die an einem gigantischen Projekt arbeitet: der Umsiedlung der Menschheit auf einen noch unverbrauchten Planeten. Entgegen Murphys erbittertem Protest stellt sich Cooper als Pilot für die anstehende Mission zur Verfügung, die ihn durch ein Wurmloch in weit entfernte Regionen des Universums führt. Auf einem Wasserplaneten, der innerhalb der Gravitationszone eines Schwarzen Loches liegt, verliert die Mission nicht nur einen Mann, sondern aufgrund der extrem verlangsamten „Ortszeit“ über zwanzig Jahre. Der nächste Planet beherbergt eine Eiswüste und einen unerfreulichen Subplot, und schließlich sieht Cooper keine andere Wahl, als ins Schwarze Loch zu fliegen: die NASA braucht dringend Daten aus dessen Inneren, um die Große Vereinheitlichte Theorie zu finden, die Graviation beherrschen und die Menschheit halbwegs geordnet evakuieren zu können. Im Schwarzen Loch muss Cooper feststellen, dass dort für ihn etwas vorbereitet ist und er einen beschränkten Zugang zur Rückseite von Murphys Bücherregal hat – zu jeder beliebigen Zeit. Cooper kommt zu dem Schluss, dass die künftige Menschheit die Große Vereinheitlichte Theorie gemeistert hat und daher in der Lage ist, Gravitation und Zeit zu manipulieren – und ihn. Er selbst ist respektive war respektive ist der Verursacher der nur scheinbar übernatürlichen Aktivitäten im Zimmer seiner Tochter, aber er findet außerdem eine Möglichkeit, der inzwischen erwachsenen Murphy, die sich der NASA angeschlossen hat, die notwendigen Daten zukommen zu lassen.

Worum geht´s wirklich? Dass der Mensch zwar allein im Universum ist, sich aber dank Entdeckergeist, Beharrlichkeit und Intelligenz wacker schlägt. Dass die Liebe der Klebstoff des Kosmos ist (oder so). Außerdem darum, dass Umweltverschmutzung zwar doof ist, wir aber nicht damit aufzuhören brauchen, solange nur die NASA weiter finanziert wird. Und darum, was passiert, wenn ein Regisseur zu lange an einem Drehbuch schreibt und sich zwar wissenschaftlich beraten lässt, aber viele Möglichkeiten der Science-Fiction zugunsten von Fantasy-Elementen ignoriert. Spätestens im letzten Drittel kann sich der Film nicht mehr zwischen anspruchsvoller Wissenschaft, Weltraum-Fantasy und Surrealismus entscheiden, Christopher Nolan versucht sich sozusagen am Großen Vereinheitlichten Plot – und scheitert. Jedenfalls hatte ich wesentlich mehr erwartet und war am Ende reichlich enttäuscht.

Es bleiben etliche Fragen offen, vor allem, was die Aktionen der künftigen Menschheit betrifft: Wieso haben sie das Wurmloch beim Saturn platziert und nicht erdnäher, um die Reise dorthin zu erleichtern? Wieso sind sie darauf angewiesen, dass Cooper eine Mission annimmt, in deren Verlauf er erst selbst die Ursache dafür setzt, dass er an ihr teilnimmt, damit er dann über ein Bücherregal mit seiner Tochter kommunizieren kann, die das Rätsel schließlich knackt? Das erscheint kompliziert, fehleranfällig und reichlich umständlich. Warum schicken sie nicht einfach ein Signal mit den notwendigen Daten an die NASA? Auch der Rest ist nicht ganz rund: Müsste nicht auf dem Wasserplaneten eine solche Graviation herrschen, dass die Crew dort nicht aufrecht stehen kann, geschweige denn mit ihren begrenzten Treibstoffreserven wieder starten? Ist ein Planet so nahe an einem Schwarzen Loch überhaupt ein sinnvoller Kandidat, für den sich das Risiko der Erkundung lohnt? Immerhin ist er ziemlich harter Strahlung ausgesetzt und könnte zudem eines Tages verschluckt werden. Wieso kommt Cooper am Stück ins Innere des Schwarzen Loches – und sogar wieder heraus, und das auch noch (nach kosmischen Maßstäben) fast daheim?

Kann man sich das angucken? Rhetorische Frage, jetzt habe ich eh schon alles verspoilert. Aber wer Sitzfleisch hat und keine zu hohen Erwartungen an den Science-Fiction-Anteil: nichts wie hin. „Angucken“ ist hier das Stichwort, die Bilder sind großartig, sehen kaum animiert aus, und allein der Saturnvorbeiflug und die Reise durchs Wurmloch sind es wert. Außerdem gibt es lustige Roboter.

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