Burka essen Kunst auf

Burkaverbote – allmählich wird es ein eigenes Genre in den Kommentarspalten der großen Tageszeitungen, sich möglichst kreative Gründe dafür auszudenken. Besonders kreativ ist, wie es ihr als konservatives Leitmedium gebührt, die FAZ. Das allein wäre keiner gesonderten Erwähnung wert (konservative Zeitung ist konservativ, duh), aber der jüngste Beitrag bringt einen neuen Aspekt in die Debatte:

Wer mit einer Burka bekleidet durch eine Gemäldegalerie promeniert, erniedrigt die Kunst, unseren größten Schatz.

In diesen Gemäldegalerien hängen vorwiegend „Darstellungen nackter Körper“, und es ist nicht etwa voyeristisch, zu lange auf Cranachs „Venus“ zu gaffen, nein:

Die Burkaträgerin macht aus dem Museumsbesuch eine Peepshow, aus einer Begegnung mit Kunst wird feiger Voyeurismus.

Vielleicht will sie einfach nur diese abendländische Kultur kennenlernen, von der so viel die Rede ist.

burka1

Nun bin ich ja selbst nicht nur eine gelegentliche Besucherin von Kunstausstellungen, sondern produziere auch Kunst, und deswegen hat es mich gleich doppelt interessiert, warum:

Die Malerei erforscht den Sinn unserer physischen, sterblichen, fragwürdigen Existenz, sie tut es ungeschützt, und das gebietet als Minimum der Respekterweisung, dass der Betrachter sich und seine mögliche Erschütterung nicht versteckt.

Malerei hat meiner bescheidenen Meinung nach genau einen Sinn: den, den der oder die Malende darin sieht. Ob das Gewinnstreben, Selbsttherapie, politisches Statement, philosophische Suche, oder die schlichte Freude am Hantieren mit Farben ist, entscheidet die Künstlerin. Dementsprechend gibt es auch kein festgelegtes „Minimum an Respekterweisung“, oder jedenfalls nicht in meiner Welt. Ich war dieses Jahr mit ein paar Bildern an der Jahresausstellung „meines“ Ateliers beteiligt, und natürlich habe ich mich gefragt, wie die Besucher wohl meine Bilder finden, aber mir wäre nicht in den Sinn gekommen, zu verlangen, dass sie ihre eventuelle Erschütterung zeigen. Abgesehen davon, dass „Erschütterung“ auch durch ein Pokerface versteckt werden kann, ganz ohne Burka. Und was heißt „ungeschützt“ in diesem Kontext? Dass das Bild keine Burka trägt? Das wäre mal eine schicke Installation.

burka2(Der Beitrag enthält insgesamt viele, nunja, Wortaneinanderreihungen, die als Argument zu bezeichnen eine Beleidung für richtige Argumente wäre, aber ich übe mich in Selbstbeherrschung und sage nichts dazu. Das meiste hat ohnehin Muriel schonmal behandelt.)

Nur wer sich dauerhaft bei uns niederlässt, muss lernen, dass Frauen ihre Würde hierzulande anders wahren können, als indem sie sich einen Sack über den Kopf ziehen.

burka3Eine von beiden ist eine emanzipierte Frau. Die andere zieht an, was ihr Mann für gut befindet. Und jetzt denken wir alle nochmal über Klischees nach.

 

7 Kommentare

  1. Die hier angeführten Argumente sind natürlich schon an den Haaren herbeigezogen, da gebe ich dir Recht. Wenn ich das öffentliche Tragen einer Burka in der Öffentlichkeit verbieten würde, dann aus dem Grund, weil meiner Meinung nach, dahinter immer organisierte fundamentalistische Kräfte stehen, selbst wenn die Frau das „freiwillig“ tut, wie z. B. in dem Fall einer zum Islam konvertierten Deutschen, die sich sogar mit Ehemann und Kind der ISIS anschloß. Ich finde, das muß ein demokratisches Land nicht fördern und auch nicht tolerieren. Sonst toleriert man indirekt auch alles, was dahinter steht, wie die Scharia und die generelle Unterdrückung der Frauen. Mir ist kein Fall einer liberalen islamischen Familie bekannt, in der die Frauen Burka tragen. Die Burka steht einfach für den islamischen Fundamentalismus und was der anrichtet, haben wir in Afghanistan gesehen und sehen wir zur Zeit in Syrien etc. Mehr muß man dazu glaube ich nicht sagen.

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    1. Hm. Die Burka als Symbol einer quasi verfassungsfeindlichen Organisation? So verstehe ich dein Argument. Aber dann willst du ja eine Gesinnung bestrafen, und nicht per se das Tragen eines Kleidungsstückes. Und was ist, wenn die Trägerin nichts mit ISIS & Co am Hut hat, sondern nur sehr religiös ist und sich eben besser fühlt, wenn sie mit Burka rumlaufen kann? (Ich versteh´s auch nicht, aber das ist ja nicht der Maßstab.)

      Und das Symbol zu verbieten ändert nichts am eigentlichen Problem (wenn man das denn so sieht wie du). Dann zieht sie eben keine Burka an, hat extra Ärger mit ihrem Mann und ist trotzdem unterdrückt/bei ISIS/wasauchimmer. Und mit deiner Argumentation müsste man dann auch Bärte und weite Gewänder bei Männern verbieten. Ich kann mich irren, aber ich fürchte, so kommt man islamischem Fundamentalismus nicht bei.

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    1. Ist ein Verbot automatisch weniger erniedrigend? Würdest du es tolerieren, wenn eine Frau sich bewusst und aus freien Stücken für die Burka entscheidet? (Hinsichtlich der Motive der Trägerinnen mache ich mir auch wenig Illusionen… aber ich kann sie eben nicht abschließend beurteilen.)

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