Dass Frauen diskriminiert werden, heißt noch lange nicht, dass sie diskriminiert werden!

Herzrasen, Magengrimmen, Paragraphen rauf und runter: Die mündliche Prüfung im 2. Jura-Examen ist wahrlich kein Spaß. Meine war einer der bis dato stressigsten Tage meines ganzen Lebens. Stand ich doch nach den schriftlichen Prüfungen knapp unter der magischen Schwelle von 9 Punkten, die – zumindest nachMeiniger einiger in der Branche – die Brauchbaren von den Guten trennt. Dass ich es über die Notenschwelle schaffte, verdankte ich anscheinend auch der Zusammensetzung der Prüfungskomission: Es war eine Frau dabei.

Damit hatte ich, dieser Studie zufolge, statistisch gesehen eine bessere Chance auf den Notensprung. Frauen schaffen diesen vor rein männlichen Prüfungskommissionen signifikant seltener (S. 18 ff., Zus. auf S. 20). Oder anders formuliert: Zwischen Männern und Frauen gibt es nur dann keine Unterschiede beim Notensprung, wenn die Prüfungskommission mit mindestens einer Frau besetzt ist. Das ist ein interessanter Befund, die FAZ nutzt ihn gnadenlos aus, um anzudeuten, dass Männer vielleicht einfach besser sind:

So vermag sie [die Studie, d. Red.] nicht zu sagen, ob das schwächere Abschneiden der Frauen auf zwischen den Geschlechtern ungleich verteilte Resilienz in Stresssituationen, selbstbewusstes Auftreten oder auf eine – bewusste oder unbewusste – Diskriminierung durch die Prüfer zurückgeht.

Männer schneiden insgesamt besser ab, weil sie stressresistenter sind – aber nur vor rein männlichen Kommissionen. Sobald eine Frau dabei ist, sinkt die Stressresilienz männlicher Kandidaten auf das Niveau ihrer weiblichen Kolleginnen. Oder wie? Der FAZ-Autor bleibt hier aber lediglich dem treu, was er vor einigen Jahren bei der LTO zu einer Vorgängeruntersuchung geschrieben hat:

Eine zumindest aus dem Bauch heraus plausible Deutung dieser Ergebnisse ist das unterschiedliche Auftreten in der mündlichen Prüfung: Männer geben sich hier gern selbstbewusster und forscher, was positive Auswirkungen auf ihre Bewertung haben könnte.

Eine zumindest aus dem Bauch heraus plausible Deutung dieser beiden Zitate: Der Autor gibt sich gern forsch, hat aber leider nicht verstanden, worum es bei Diskriminierung eigentlich geht.

 

Ein Kommentar

  1. Ich weiß, alter Hut, aber da es noch niemand geschrieben hat:
    Um Misogynie überzeugend zu veranschaulichen, reicht es anscheinend immer noch, ein Beispiel für Misogynie irgendwohin zu schreiben.
    Lustig, aber leider natürlich auch schädlich.

    Liken

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