Gedankensalat

The Mystery of the Vanished Blogger

Oh my Gosh. Muriel nominated me for a blog award in what, January, and nothing happened here. Okay, these days months years, nothing is happening here at all. I wish I could tell you that I´m working on some exciting, time consuming creative project, but unless you consider life itself a time consuming, creative project, this would be a lie. Nevertheless, I always kind of liked blog awards, and I agree with Muriel that we shouldn´t let the genre die without at least trying to prolong the agony. No, that´s not what he said, that´s my interpretation. But now, onward to the award!

1. Put the award logo/image on your blog.
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Done.

2. List the rules.

Listing.

3. Thank whoever nominated you and provide a link to their blog. 

Already did, see the nomination, and here´s the link to Muriel´s blog: ueberschaubarerelevanz.com. 

4. Mention the creator of the award and provide a link as well. 

The creator is Okoto Enigma, and this is her blog.

5. Tell your readers 3 things about yourself. 

a) Whenever I should tell people x things about myself, 5 minutes later I arrive at the conclusion that I´m probably one of the most boring people on this planet.

b) I nearly didn´t comply with rule Nr. 4, part 2, because the recent entry is titled „3 Ultimate Must Have Beauty“ and then I stopped reading. I can´t stand this kind of headline. And the kind of text that usually follows.

c)  I love the english language. Because of the huge vocabulary. There are words like „shenanigans“ in it. Shenanigans!

6. You have to nominate 10 – 20 people. 

I have to, hm? Like I have to have these beauty must haves? I guess the list from those entries still stands.

7. Notify your nominees by commenting on their blog.

Since they´re renominations (does this word exist? It does now), consider them notified.

8. Ask your nominees any 5 questions of your choice; with one weird or funny question (specify).

I´ll just leave five questions here. If you feel like it, you can answer them in the comment section, your own blog, your diary, in your head, …

a) Do you think there will be an „end of the world“?

b) Do we need nations?

c) Marx´ „Das Kapital“: Must read or best forgotten?

d) Do you avoid certain foods or ingredients?

e) Which of the questions above is the weird one?

9. Share a link to your best post(s)

This one.

 

And lo, Muriel asketh five questions, and I shall answer.

1. Do you like meat?

Yes.

Okay, let me specify: things like steak or pot roast, very much. But I could live without ham or sausages, or any of the cheap stuff that´s just an insane amount of water and nitrite.

2. Do you think you’d write for Springer if they offered enough? For the purpose of this question, we will suppose that they might be generous, but the perspective should be in the realm of possibility, so if you’re going to say „Sure, for 500,000,000€ a day I might consider it“, please don’t. Or actually: Go ahead. You can just name a price. I guess that would be a good measure of your willingness to write for Springer, or lack of same.

Depends. Can I write anything I want, like this Wagner guy in BILD apparently does? Then I´m in for, let´s say, 2.000 € a month. Would I habe to work for BILD or WELT and produce „gripping“ titles and „emotional“ stories according to the spirit of the publication? No less than 20.000 € a month.

3. What’s your favorite post of mine?

This one. A good explanation, and it came at a time when I was very confused about messages in old books.

4. If you were caught in a different time stream than your own and had to kill Christian Weirich for a chance to return to your own, which kind of weapon would you use, if any?

First, I´m not sure I would kill someone, at least not right away. Second, I would use a weapon that provides some distance between me and Mr. Weirich, but is still effective – since I can´t shoot, a car seems a good option.

5. How do you feel about being nominated for this? Please be very honest and very extensive in your answer, especially if your feelings run in the general direction of „Was this really necessary I HATE those things!“

It was a miuxture of „Yeah! I´m not forgotten!“ and „This will be embarassing, because I will need a ridiculous amount of time to properly react to the nomination“, followed by „Ugh, there´s still this award, why can´t I just write the post, WHY“.

And now it´s done and I´m relieved.

Oh, one last thing: I mentioned creative projects above – I started a small side project for my sketches. The point is to do a sketch every day and battle the horror vacui that has settled in my brain. Whenever I find the time, a bulk of sketches goes online. You find them here: 365skizzen.wordpress.com.

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Collage

„Ebenso viele Schwierigkeiten wie die Definition von Genozid bereitet die Einteilung nach der Motivation. […] Rassische und religiöse Verfolgung bilden die letzte Kategorie von Motiven. […] Rassische und religiöse Motive waren natürlich auch oft im Spiel, wenn Genozid durch den Kampf um Land oder Macht provoziert wurde oder dadurch, dass eine Minderheit als Sündenbock angesehen wurde. […] Wie werden die Völkermörder unserer Zeit aber mit dem Konflikt zwischen ihren Taten und universellen Moralvorstellungen fertig? Sie greifen auf eine von drei Arten von Rationalisierungen zurück, die alle nur Varianten der gleichen simplen psychologischen Strategie sind: „Schuld sind die Opfer!“ Erstens halten die meisten Menschen Notwehr für gerecht und vertretbar.

„Menschen, die aus Österreich einreisen, haben kein Asylrecht (Art 16 a Abs. 2 GG). Ihnen ist die Einreise zu verweigern (18 Abs. 2 AsylG). Und wenn Sie das HALT an der Grenze nicht akzeptieren, „können die Vollzugsbeamten im Grenzdienst Schusswaffen auch gegen Personen einsetzen.“ (§ 11 UZwG). Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen. Die Menschen sind in Österreich in Sicherheit. Es gibt keinen Grund, mit Gewalt unsere Grenze zu überqueren.“ (Beatrix von Storch, stellvertretende AfD-Vorsitzende, am 30.01.2016 auf Facebook, Screenshot hier)

Auch in Stuttgart eckt nicht nur Gedeon an. Unter den 22 anderen Parlamentariern sind weitere mit grenzwertigen Ansichten aufgefallen. So beobachtet Christina Baum, eine Zahnärztin aus dem Main-Tauber-Gebiet, nach eigenen Worten einen „schleichenden Genozid an der deutschen Bevölkerung durch die falsche Flüchtlingspolitik der Grünen“. (Christina Baum, stellvertretende Landessprecherin der AfD in Baden-Württemberg, Januar 2016, Quelle 1, Quelle 2)

Liebe Freunde, und unser liebes Volk ist im inneren tief gespalten und durch den Geburtenrückgang sowie die Masseneinwanderung, erstmals in seiner Existenz tatsächlich elementar bedroht. (Björn Höcke, Rede am 17.01.2017 im Dresdner Ballhaus Watzke, Quelle).

[…] Die zweite klassische Rechtfertigung für die unmenschliche Behandlung „anderer“, einschließlich deren Ausrottung, ist die eigene Zugehörigkeit zur „richtigen“ Religionsgemeinschaft,

„Vor diesem Hintergrund [Verfolgung von Christen im Nahen Osten, Anm. d. Red.] ist die Auseinandersetzung mit dem Islam in Deutschland von einer Mischung aus Wunschdenken und Naivität geprägt. Es ist nicht einsehbar, dass der Islam, sollte er zu weiterem politischem Einfluss in Deutschland gelangen, sich gegenüber religiös Andersdenkenden anders verhalten sollte als in seinen Stammländern. […] Die theologischen Gemeinsamkeiten zwischen Islam und Christentum werden zumeist überschätzt, da die Kernbotschaften des Christentums, insbesondere die Gottessohnschaft Jesu und Seine Wiederauferstehung, vom Islam geleugnet werden.“ (Grundsatzerklärung der Christen in der AfD, Quelle)

Unsere Freiheit wird bedroht durch den Islam! Der Islam ist eine totalitäre Ideologie, welche sich anschickt, unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit, unsere Gesellschaft zu unterwerfen. […] Statt Islamunterricht einzuführen, wie es derzeit an unseren Schulen geschieht, sind wir für die Einführung von Islamkunde im Rahmen eines verpflichtenden Ethikunterrichts! Die Aussagen des Korans und der Scharia müssen unserem Grundgesetz und zur Anschauung dem Neuen Testament gegenüber gestellt werden. Dieser Vergleich bringt Licht ins Dunkel und zeigt: Der Islam ist inkompatibel zu unseren Werten. (Stephan Koethe, Mitglied im Landesvorstand der AfD Baden-Württemberg, Rede vom 09.04.2017, Quelle).

Rasse

Immerhin hat eine Minderheit von Unerschrockenen sich durch diese Art von Meinungsdiktat nicht irritieren lassen und hinreichende Gründe für die Annahme benannt, daß die R. nicht nur in bezug auf das Äußere von Menschen Bedeutung hat, sondern auch in bezug auf solche Faktoren wie durchschnittliche Intelligenz, Individualismus oder Kollektivismus, körperliche Fähigkeiten. (Institut für Staatspolitik, Leitbegriff „Rasse“.)

oder politischen Glaubensgemeinschaft bzw. die vermeintliche Verkörperung des Fortschritts oder einer höheren Kulturstufe.

„Diese jungen Männer, die man ins Land gelassen hat, die kommen nämlich aus archaischen, tribalen Kontexten, sie kommen aus Stammesgesellschaften. […] Und mit dieser kulturellen Prägung kommen sie über unsere Grenzen und legen natürlich diese kulturelle Prägung nicht beim Grenzüberschritt ab, sondern leben diese kulturelle Prägung auch bei uns. […] Der Mörder von Mia ist archaisch, der Mörder von Mia ist aus einer Stammesgesellschaft stammend, der Mörder von Mia ist Mittelalter. Und wir […] wollen nicht zurück ins Mittelalter.“ (Björn Höcke, Rede in Eisleben am 20.01.2018, Quelle, kompletter Mitschnitt).

Für Festerling sind “Ehrenmorde, Scharia, Clanfürsten, arabische Großfamilien, Kopftreterei, Karikaturenstreit, (…) No-Go Bereiche, Moscheen, Hass-Prediger” keine Bereicherung. Weil sich Deutschland bereits kulturell verändert habe werde “mit Volldampf das eigene Verschwinden weiter befeuert”. Kulturelle Bereicherung empfänden wohl nur die Menschen, die sich mit der eigenen Kultur nicht mehr verbunden fühlten und dächten, dass Kultur “bei Apple im iTunes-Shop stattfindet.” (Tatjana Festerling am 07.09.2015 in Dresden, Quelle)

[…] Drittens und letztens werden Tiere moralisch anders bewertet als Menschen, weshalb moderne Völkermörder ihre Opfer gern mit Tieren auf eine Stufe stellen, um ihre Verbrechen zu rechtfertigen.“ (dieses und alle vorhergehenden nicht-kursiven Zitate: Jared Diamond: Der dritte Schimpanse, 7. Auflage, Frankfurt am Main 2014, S. 360 ff.)

PLÖTZLICH LIEGEN IN DEUTSCHLAND SIGNIFIKANT VERMEHRT TOTE FRAUEN IN IRGENDWELCHEN GEBÜSCHEN! Liegt bestimmt am Wetter. […]
05.04.17, 09:27:54: ‪Das sind tollwütige Tiere , gesunde tun so etwas nicht 🏹👎🏿👎🏿👎🏿 (Auszug aus den geleakten AfD-Chats, Quelle).

 

Kingsman – The Secret Service

Worum geht´s? Arbeiterkind Eggsy legt sich mit der Stadttteilgang seines Stiefvaters an, kommt in Polizeigewahrsam und wird von Harry Hart dem Zugriff des Rechtsstaates entzogen. Hart (Colin Firth als er selbst) ist ein Freund seines verstorbenen Vaters, der ihm vor Jahren eine Halskette gab und das Versprechen, in Not zu helfen. Er ist – genau wie Eggsys Vater – Mitglied der Kingsmen, einer streng geheimen Organisation von Gentleman-Spionen, die sich im Habitus an der englischen Oberschicht und in ihrer Nomenklatur an der Tafelrunde orientiert. Zufälligerweise haben die Kingsmen gerade Nachwuchsprobleme, und so kommt Eggsy nicht nur aus der U-Haft frei, sondern gleich ins Auswahlverfahren. Weil er auf den ältesten Trick der Welt hereinfällt und sich weigert, den ihm eigens dafür überlassenen Hund zu erschießen, besteht statt seiner die taffe Roxy. Als die Welt aber dringend vor dem Superschurken Valentine gerettet werden muss (dessen Wahnsinns-Plan darin besteht, die Menschheit mittels SIM-Karten zu vernichten), kann das aus mir nicht mehr erinnerlichen Gründen nur Eggsy tun.

Worum geht´s wirklich? Egal, wie viele Agentenklischees ironisiert, durchbrochen und persifliert werden, einige bleiben heilig und unantastbar.

  1.  Der gentleman spy ist weiß, männlich, heterosexuell und Angehöriger der sozialen Oberschicht.

Eggsy beginnt zwar als angeblicher Angehöriger der sozialen Unterschicht, aber streng genommen kehrt er im Verlauf der Handlung nur dahin zurück, wo er eigentlich hingehört, schließlich war sein Vater auch ein Kingsman. Die Idee, Eggsy tatsächlich von „ganz unten“ kommen zu lassen, war anscheinend zu gewagt. Fun Fact: James Bond entstammt hingegen der Mittelklasse. Er ist in Wattenscheid (sic!) geboren, verwaist und wuchs bei einer Tante auf. Sein Vater war Ingenieur, seine Mutter Bergsteigerin.

2. Arbeiterkinder haben´s drauf, im Gegensatz zur verzogenen Geldelite.

Eggsy schlägt während des Auswahlverfahrens einen ganzen Haufen Leute, die man mit „generische reiche weiße Schnösel“ zusammenfassen kann. Das unter diesen Leuten jemand sein könnte, der die Ressourcen seines Status gut genutzt hat, ist anscheinend unvorstellbar.

3. Die Bösewichter sind Angehörige von ethnischen Minderheiten, während alle anderen Charaktere weiß sind.

Valentine  ist Afro-Amerikaner, seine Assistentin Gazelle Algerierin.

4. Heterosexuell sind sie aber alle.

Streng genommen nicht so wichtig für die Story. Ganz strenggenommen aber ein Punkt, an dem das Drehbuch prima die Bondgirl-Nummer hätte parodieren können.

5. Frauen sind Assistentin oder Deko.

Eggsys härteste Konkurrenz ist Roxy, der das Drehbuch aber schwache Nerven verpasst hat. Es sei denn, sie erschießt gerade ihren Hund, fliegt mit unzuverlässiger Technik in die Stratosphäre oder gewinnt innerhalb von Sekunden am Telefon das Vertrauen wildfremder Menschen. Aber sie darf nicht besser sein als Eggsy. Gazelle könnte ihre eigene Superschurkin sein, aber aus irgendeinem Grund assistiert sie lieber Valentine bei seinen Plänen. Und schweigen wir über die schwedische Pinzessin Tilde, die Eggsy mit der Aussicht auf Analverkehr zur Rettung der Welt animiert.

6. Liberale und Umweltschützer sind militante Spinner.

Valentine handelt aus Sorge um die Umwelt. Und deren größte Bedrohung ist nunmal die Menschheit als ganzes.

7. Und dieses neumodische Handy- und Internetzeug erst!

Sein Plan würde nicht funktionieren, wäre nicht buchstäbdlich alle Welt verrückt nach kostenlosen SIM-Karten und freiem Internetzugang.

Kann man sich das anschauen? Bis mir aufgefallen ist, wie unfassbar sexistisch der Film ist – von dem latenten Rassismus ganz zu schweigen -, fand ich ihn sehr lustig, danach bereute ich, Zeit und Geld investiert zu haben. Selbst auf die Gefahr, als verklemmte und humorlose Feministin rüberzukommen: weder Colin Firth, noch die Kampfszenen, noch die… äh… finale Explosionssequenz konnten den Film in meinen Augen retten, weil er zu sehr in Klischees verhaftet blieb, die inzwischen nicht mal bei James Bond noch in dieser Konsequenz durchexerziert werden. Es gibt Tatorte, die selbstironischer und hintersinniger sind. Dass „Kingsman“ es also schafft, reaktionärer als die ARD zu sein, ist in gewisser Hinsicht auch eine Leistung.

Elf

Noch ein Award! Diesmal gebührt der Dank Muriel, der mich dem „Liebster Award“ und einer größtenteils sehr schmeichelhaften Beschreibung bedacht hat. Danke! Das ich gefühlt ewig gebraucht habe, um zu reagieren, liegt ganz allein an [hier bitte beliebige Ausrede einfügen] mir.

Wie üblich gibt es Award-Regeln:

1. Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke ihren Blog in deinem Artikel. [x]

2. Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt.

1. Wie bist du zum Bloggen gekommen?

Pure Geltungssucht. Ich hatte ein aufregendes Fernsehpraktikum, war neu in einer großen Stadt und hatte sowohl schräge Erlebnisse als auch das dringende Bedürfnis, darüber zu schreiben. Und wollte meine Anekdoten auch den weiter entfernten Freunden mitteilen. Teile des Frühwerkes finden sich hier.

2. Welcher deiner Blogposts ist dein persönlicher Liebling?

Kafka in Knete.

3. Hast du durch dein Blog schon besondere Dinge erlebt, die ohne es vermutlich nie passiert wären?

Bloggen an sich finde ich schon sehr besonders- man lernt Leute kennen, die man sonst vielleicht nie getroffen hätte, und bekommt Einblicke in Leben, von denen man sonst nichts wüsste. Was in der überwältigenden Mehrzahl wirklich toll ist.

4. Für wen bloggst du?

Letztlich für mich selbst. Ich freue mich, wenn ich andere Leute unterhalten kann, aber im Ergebnis ist das ja auch ein eher egoistisches Motiv. Und das in unregelmäßigen Abständen auftretende Bedürfnis, einfach mal was runterzuschreiben, hat mich auch nie verlassen.

5. Welches der Blogs, denen du folgst, hasst du am meisten? (Die Softies unter euch dürfen auch gerne schreiben, welches sie am wenigsten mögen.)

Warum sollte ich Blogs folgen, die ich hasse? Okay, vergesst es, ich lese ja auch den Meinungsteil in der FAZ – mit erwartbaren Ergebnissen. Bei meinem Reader hier in WordPress achte ich allerdings darauf, dass keine Blogs dabei sind, die mich nerven, ärgern oder die ich nur in homöopathischen Dosen vertrage. Neben den üblichen Kandidaten, über die sich aufzuregen weitgehend konsensfähig ist – Reichsbürger, sonstige Vollhonks, ausgiebige und langweilige Produktrezensionen – kann ich mich prima über Leute aufreden, die denken, sie wüssten ganz genau darüber Bescheid, wie das Leben funktioniert, wie „die Menschen sind“ und was „wir“ anders machen müssten.

6. Findest du Inselfragen auch so doof wie ich?

Mindestens. Außerdem verraten sie selten etwas wirklich Interessantes, was man nicht auch einfacher erfahren könnte.

7. Wenn du entscheiden dürftest, welches Buch, Spiel oder anderes Medium verfilmt werden soll, welches würdest du wählen und wer sollte das Drehbuch schreiben?

G.A.S.“ sollte dringend mal verfilmt werden, finde ich. Meinetwegen auch als (Mini-)Serie. Allerdings kenne ich zu wenige Drehbuchautoren, um zu beurteilen, wer dafür am besten geeignet wäre. Vielleicht Wes Anderson, der u.a. für „Der phantastische Mr. Fox“ und „Grand Budapest Hotel“ das Drehbuch geschrieben hat, und irgendwie scheinen mir seine Art von Humor und sein Gefühl für Rhythmus gut zu passen.

8. Welches Videospiel hat dich am meisten beeindruckt?

Mangels Videospielens: keins. Von Videospiel-Graphik wird mir meistens übel. Nicht, weil ich sie hässlich fände (auch wenn das häufig dazukommt), sondern weil mein Gleichgewichtssinn nicht mit den widersprüchlichen Informationen klarkommt.

9. Wenn du mit einer fiktiven oder realen, lebenden oder toten Person ein Bier/Kaffee/Tee/sonstwas trinken und gemütlich quatschen könntest, wen würdest du wählen?

Jetzt gerade mit Varujan Vosganian. Ich habe „Das Buch des Flüsterns“ geschenkt bekommen, und auch wenn es wunderschön geschrieben ist, ich verliere ab und zu den Überblick über die weit verästelte Geschichte seiner armenischen Familie, und würde mir das Ganze lieber erzählen lassen. Schon, um zwischenfragen und Kaffee haben zu können.

10. Was hältst du eigentlich von Terry Pratchett?

Ich nichtse ihn. Es gibt eine Menge Leute, darunter viele, deren literarischem Geschmack ich durchaus vertraue, die mir in unregelmäßigen Abständen Terry Pratchett empfehlen, aber ich schaffe es einfach nicht, mich für seine Bücher länger als zwei Seiten zu interessieren.

11. Welchen deiner eigenen Blogposts magst du am wenigsten?

Ich glaube, den hier. Er ist einfach völlig sinnlos.

3. Nominiere 5 bis 11 weitere Blogger für den Liebster Award, die bisher weniger als 1.000 Follower haben. [x]

Spielverderberin, die ich schon beim letzten Mal war, lasse ich das mit der Nominierung. Aber ich klopfe mit dem Holz mal vorsichtig bei Guinan an, die auf Tumblr immer schöne Sachen ausgräbt. Außerdem bei Susepedia. Egoteaist ist bestimmt viel zu cool für Stöckchen, freut sich vielleicht aber trotzdem, und bei Hemator wollte ich mich für das Buchstöckchen revanchieren, und sein Blog ist eh immer einen Besuch wert. Und weil Frau Fellmonster in meiner Nachbarschaft quasi die Stöckchenbeauftragte ist, kriegt sie auch eins.

4. Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen. und 5. Schreibe diese Regeln in deinen Liebster Award-Blog-Artikel. Da ich das Stöckchen nicht so wirklich weiter werfe, lasse ich den Teil weg, hilfsweise gelten die Fragen von Muriel.

6. Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel. [x] Die sind schlau, die kriegen das bestimmt mit.

 

Sieben

Wir unterbrechen den Adventskalender erneut für…

(Hihi. Lovely.)

Also, erst mal, Danke! dasmanuel hat mich mit meinem ersten Blogaward und der freundlichen Wortschöpfung „jurisprudencelovely“ bedacht (und außerdem, auch wenn´s schon länger her ist, aber das tut dessen Genialität keinen Abbruch, mit diesem phantastischen Logo).

Und anscheinend gibt es keinen Blog-Award ohne Regeln:

Verlinke die Person, die dich nominiert hat. Eben getan.

Blogge die Spielregeln und präsentiere den Award (hier der Link zum Banner). Auch erledigt. Jedenfalls zur Hälfte, ich finde den Link zum Banner nicht und meine, dass es auch ohne geht.

Veröffentliche 7 Fakten über dich. Denn mal los:

1. Meine Augen haben nicht exakt die gleiche Farbe. Das linke ist graublau, das rechte eher graugrünblau.

2. In meinem Portemonnaie befindet sich ein Organspendeausweis.

3. Ich fahre bei so ziemlich jedem Wetter mit dem Fahrrad.

4. Ich habe einen Besserwisser- und einen Helferkomplex. Das prädestiniert mich entweder für den Anwaltsberuf, oder ich sollte von genau sowas die Finger lassen.

5. Manchmal wünsche ich mir inständig, ich hätte einfach ein Handwerk gelernt.

6. Stanislaw Wyspianski ist mein Lieblingsmaler. Wenn ich irgendwann mal so malen kann, dann bin ich zufrieden.

 

Nominiere 7 andere Blogger. Aus der Lektüre anderer Blogs meine ich zu wissen, dass viele der Award-/Stöckchen-Sitte etwas zwiespältig gegenüberstehen. Aber ich hab ja nicht umsonst Jura studiert und kann deswegen mit Regeln Dinge machen, sie zum Beispiel teleologisch reduzieren. (Nicht theologisch. Te-leo-logisch, von telos, Ziel: eine Regel auf ihren Sinn zurückführen und entsprechend anwenden [*räusper*4.*hüstel*]). Ziel des Ganzen scheint mir zu sein, dass möglichst viele Leute viele Blogs verlinken und also Leserinnen und Bloggerinnen zueinanderfinden, die sich noch nicht kannten, oder die Leser etwas über den Geschmack des jeweiligen Bloggers erfahren. Das geht aber auch ohne Stöckenpflicht, deshalb habe ich beschlossen, hier einfach sieben im engeren oder weiteren Sinne „lovely„…ige Blogs vorzustellen.

1. WTF, Evolution?! Nach menschlichen Maßstäben hat die Evolution einen Haufen seltsamer, absurder und grässlicher Dinge hervorgebracht. „Intelligent Design“ versagt als Argument spätestens bei den Babirusas, deren Eckzähne in den eigenen Schädel wachsen können.

2. Kleine grüne Monster. Das bislang einzige Naturkosmetikblog, dass selbst ich Kosmetikverächterin gern lese. Vermutlich, weil es dort nicht nur um Kosmetik geht, sondern um alles mögliche, was das Leben bunter und nachhaltiger macht.

3. Eschergirls. Eine Sammelstelle für Frauendarstellungen in Filmen, Comics und sonstigen Medien, bei denen die Abwägung „sexy“ vs. „halbwegs korrekte Proportionen“ zuungunsten der Porportionen ausging. Lustig und ärgerlich.

4. Jenny Trout. Auf nicht mehr rekonstruierbaren Wegen bin ich auf ihre „50 Shades of Grey“-Rezensionen gestoßen. Mal abgesehen davon, dass ich diese Bücher jetzt ätzend finden kann, ohne sie lesen zu müssen, schreibt sie einen Haufen anderer interessanter Sachen zum Thema Feminismus, Körperbilder, Self-Publishing und Verlagswesen.

5. Alina. Auf ihrem Blog ist es schon lange ruhig, aber ihre Posts sind nach wie vor lesenswert, vor allem die zur Sterbebegleitung.

6. euredurchlaucht. Fotographieren auf die gekonnt-ästhetische Art ist etwas, was mir völlig abgeht. Zum Glück gibt es Leute, die sowas können, bei denen gehe ich dann immer gucken und bin beeindruckt.

7. The Gaiety Girl. Vor einiger Zeit hatte ich mir in den Kopf gesetzt, zeichnerisch etwas in Richtung Steampunk auszuprobieren, und bin dabei auf ihre Artikel über die Viktorianer gestoßen (empfehlenswert ist vor allem dieser hier über die angebliche Prüderie der Epoche).

 

7. Für diesen Post habe ich aus unerfindlichen Gründen absurd lang gebraucht.

Burka essen Kunst auf

Burkaverbote – allmählich wird es ein eigenes Genre in den Kommentarspalten der großen Tageszeitungen, sich möglichst kreative Gründe dafür auszudenken. Besonders kreativ ist, wie es ihr als konservatives Leitmedium gebührt, die FAZ. Das allein wäre keiner gesonderten Erwähnung wert (konservative Zeitung ist konservativ, duh), aber der jüngste Beitrag bringt einen neuen Aspekt in die Debatte:

Wer mit einer Burka bekleidet durch eine Gemäldegalerie promeniert, erniedrigt die Kunst, unseren größten Schatz.

In diesen Gemäldegalerien hängen vorwiegend „Darstellungen nackter Körper“, und es ist nicht etwa voyeristisch, zu lange auf Cranachs „Venus“ zu gaffen, nein:

Die Burkaträgerin macht aus dem Museumsbesuch eine Peepshow, aus einer Begegnung mit Kunst wird feiger Voyeurismus.

Vielleicht will sie einfach nur diese abendländische Kultur kennenlernen, von der so viel die Rede ist.

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Nun bin ich ja selbst nicht nur eine gelegentliche Besucherin von Kunstausstellungen, sondern produziere auch Kunst, und deswegen hat es mich gleich doppelt interessiert, warum:

Die Malerei erforscht den Sinn unserer physischen, sterblichen, fragwürdigen Existenz, sie tut es ungeschützt, und das gebietet als Minimum der Respekterweisung, dass der Betrachter sich und seine mögliche Erschütterung nicht versteckt.

Malerei hat meiner bescheidenen Meinung nach genau einen Sinn: den, den der oder die Malende darin sieht. Ob das Gewinnstreben, Selbsttherapie, politisches Statement, philosophische Suche, oder die schlichte Freude am Hantieren mit Farben ist, entscheidet die Künstlerin. Dementsprechend gibt es auch kein festgelegtes „Minimum an Respekterweisung“, oder jedenfalls nicht in meiner Welt. Ich war dieses Jahr mit ein paar Bildern an der Jahresausstellung „meines“ Ateliers beteiligt, und natürlich habe ich mich gefragt, wie die Besucher wohl meine Bilder finden, aber mir wäre nicht in den Sinn gekommen, zu verlangen, dass sie ihre eventuelle Erschütterung zeigen. Abgesehen davon, dass „Erschütterung“ auch durch ein Pokerface versteckt werden kann, ganz ohne Burka. Und was heißt „ungeschützt“ in diesem Kontext? Dass das Bild keine Burka trägt? Das wäre mal eine schicke Installation.

burka2(Der Beitrag enthält insgesamt viele, nunja, Wortaneinanderreihungen, die als Argument zu bezeichnen eine Beleidung für richtige Argumente wäre, aber ich übe mich in Selbstbeherrschung und sage nichts dazu. Das meiste hat ohnehin Muriel schonmal behandelt.)

Nur wer sich dauerhaft bei uns niederlässt, muss lernen, dass Frauen ihre Würde hierzulande anders wahren können, als indem sie sich einen Sack über den Kopf ziehen.

burka3Eine von beiden ist eine emanzipierte Frau. Die andere zieht an, was ihr Mann für gut befindet. Und jetzt denken wir alle nochmal über Klischees nach.

 

3. Türchen: Opferbereitschaft

Heute gibt´s einen Klassiker, die Mutter aller bekloppten Gerichtsentscheidungen: der BGH hat sich 1966 im Kontext eines Scheidungsverfahrens zum Wesen des „ehelichen Verkehrs“ geäußert.

Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, daß sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen läßt. Wenn es ihr infolge ihrer Veranlagung oder aus anderen Gründen, zu denen die Unwissenheit der Eheleute gehören kann, versagt bleibt, im ehelichen Verkehr Befriedigung zu finden, so fordert die Ehe von ihr doch eine Gewährung in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft und verbietet es, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen.

(BGH vom 2.11.1966, Rn. 16)

„Zuneigung und Opferbereitschaft“ sind ja erst mal lustig, als historisches Dokument ist dieses Urteil eher verstörend. Im Ausgangsfall hatte der Mann die Scheidung verlangt, die Frau dem jedoch widersprochen (sic. Man sollte meinen, es wäre umgekehrt). Da eine Ehescheidung damals noch als absolute Ausnahme galt, musste die „Zerrüttung“ der Partnerschaft nachgewiesen werden. Wenn jedoch ein Partner allein die Zerrüttung verursacht hat, etwa durch einen Seitensprung, konnte der andere der Scheidung widersprechen. Weder die Eheleute wider Willen noch die Gerichte wurden sich einig, wer zuerst zerrüttet hatte:

Im weiteren Berufungsverfahren hat der Kläger vorgetragen, die Zerrüttung der Ehe sei aus der Einstellung der Beklagten zum ehelichen Verkehr entstanden. Sie habe ihm erklärt, sie empfinde nichts beim Geschlechtsverkehr und sei imstande, dabei Zeitung zu lesen; er möge sich selber befriedigen. Der eheliche Verkehr sei eine reine Schweinerei. Sie gebe ihm lieber Geld fürs Bordell. Sie wolle auch nicht mit einem dicken Bauch herumlaufen; mit Kindern wüßte sie garnichts anzufangen. – In diesem Sinne habe die Beklagte sich auch Dritten gegenüber geäußert.

Die Beklagte habe sich beim ehelichen Verkehr entsprechend verhalten. Auf dieser Einstellung beruhe es, daß er sich mehr und mehr seiner Angestellten, der Zeugin Da., zugewandt und die Zeugin in seine Stuttgarter Wohnung aufgenommen habe.

Und auch der Subtext der Entscheidung ist hässlich: Wenn der Frau der Sex keinen Spaß macht, dann möge sie das gefälligst nicht zeigen, da dem Mann eine widerwillige Partnerin nicht zugemutet werden könne.

Zum Glück sind diese Zeiten größtenteils vorbei. Und ich meine damit nicht, dass ich hohe Scheidungsraten toll finde, sondern dass es die Möglichkeit gibt, sich scheiden zu lassen, ohne dass das oberste Zivilgericht der Bundesrepublik über Intimleben und -pflichten zweier Erwachsener zu befinden hat. Aus der Rechtsprechung ist das Thema als solches indes nicht verschwunden, wie diese Klickstrecke der LTO zeigt.

 

Advent, Advent…

… das Gesetzbuch brennt.

Lange hab ich hin- und herüberlegt, ob ich dieses Jahr wieder einen Adventskalender anbiete oder nicht, denn einerseits haben die letzten beiden sehr viel Spaß gemacht, andererseits ist mir jetzt noch ein bisschen peinlich, dass der letzte Adventskalender so holperig lief – und für dieses Jahr ist keineswegs weniger Stress zu erwarten als im letzten. Im Gegenteil, mein zweites Examen rückt bedrohlich näher (etwa wie die Welle in „Interstellar“), und darunter leidet erfahrungsgemäß die Kreativität. Wie man´s dreht und wendet: ich habe weder Zeit noch Energie, 24 Bilder hinzubekommen. (Das ist die Stelle, wo ihr enttäuscht „Oaaaarr“ sagen sollt.)

Es wird trotzdem einen Adventskalender geben. (Das ist die Stelle, wo ihr hoffentlich jubelt.) Weil ich sowieso extrem fokussiert auf rechtliche Themen bin, wird es ein Adventskalender mit juristischem Inhalt – ob kuriose Urteile, grundlegende Rechtsprinzipien, historische Anekdoten oder die lustigsten EuGH-Entscheidungen – ich bin zuversichtlich, dass mir genug Material über den Weg läuft und ich es auch verarbeiten kann und vielleicht auch die eine oder andere Illustration hinkriege. Außerdem nehme ich wie gehabt sehr gern eure Vorschläge entgegen: was immer euch einfällt, egal ob Thema, Stichwort oder Wollt-ich-schon-immer-mal-wissen und irgendwie lose mit Gesetzen zu tun hat – immer her damit. Jeder kann so viel einreichen, wie sie oder er lustig ist, entweder gleich hier in den Kommentaren, oder im Kontaktformular, oder an joanflowers@live.de, oder wo ihr mich sonst erreicht. (Los geht´s ab sofort, Annahmestopp ist der 16.12. um 24:00 Uhr.)

Interstellar

Wer vorhat, sich den Film noch anzuschauen, und das unbeschwert genießen möchte bzw. auf sowas Wert legt, der betrachte sich bitte als nachdrücklich vor massiven Spoilern gewarnt.

Worum geht´s? Der ehemalige NASA-Testpilot Cooper hat mit Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen. Er lebt mit Kindern und Schwiegervater auf einer Farm und baut Mais an, was ihn ersichtlich nicht auslastet – trotz der Herausforderungen, die die immer ungünstiger werdenden Bedingungen auf der Erde an den Ackerbau stellen. Staubstürme, Klimaveränderungen und Krankheiten haben zu einer radikalen Beschränkung allen menschlichen Strebens auf das zum Überleben notwendige geführt. Scheinbar übernatürliche Aktivitäten im Zimmer seiner Tochter Murph führen Cooper zu den Überresten der NASA, die an einem gigantischen Projekt arbeitet: der Umsiedlung der Menschheit auf einen noch unverbrauchten Planeten. Entgegen Murphys erbittertem Protest stellt sich Cooper als Pilot für die anstehende Mission zur Verfügung, die ihn durch ein Wurmloch in weit entfernte Regionen des Universums führt. Auf einem Wasserplaneten, der innerhalb der Gravitationszone eines Schwarzen Loches liegt, verliert die Mission nicht nur einen Mann, sondern aufgrund der extrem verlangsamten „Ortszeit“ über zwanzig Jahre. Der nächste Planet beherbergt eine Eiswüste und einen unerfreulichen Subplot, und schließlich sieht Cooper keine andere Wahl, als ins Schwarze Loch zu fliegen: die NASA braucht dringend Daten aus dessen Inneren, um die Große Vereinheitlichte Theorie zu finden, die Graviation beherrschen und die Menschheit halbwegs geordnet evakuieren zu können. Im Schwarzen Loch muss Cooper feststellen, dass dort für ihn etwas vorbereitet ist und er einen beschränkten Zugang zur Rückseite von Murphys Bücherregal hat – zu jeder beliebigen Zeit. Cooper kommt zu dem Schluss, dass die künftige Menschheit die Große Vereinheitlichte Theorie gemeistert hat und daher in der Lage ist, Gravitation und Zeit zu manipulieren – und ihn. Er selbst ist respektive war respektive ist der Verursacher der nur scheinbar übernatürlichen Aktivitäten im Zimmer seiner Tochter, aber er findet außerdem eine Möglichkeit, der inzwischen erwachsenen Murphy, die sich der NASA angeschlossen hat, die notwendigen Daten zukommen zu lassen.

Worum geht´s wirklich? Dass der Mensch zwar allein im Universum ist, sich aber dank Entdeckergeist, Beharrlichkeit und Intelligenz wacker schlägt. Dass die Liebe der Klebstoff des Kosmos ist (oder so). Außerdem darum, dass Umweltverschmutzung zwar doof ist, wir aber nicht damit aufzuhören brauchen, solange nur die NASA weiter finanziert wird. Und darum, was passiert, wenn ein Regisseur zu lange an einem Drehbuch schreibt und sich zwar wissenschaftlich beraten lässt, aber viele Möglichkeiten der Science-Fiction zugunsten von Fantasy-Elementen ignoriert. Spätestens im letzten Drittel kann sich der Film nicht mehr zwischen anspruchsvoller Wissenschaft, Weltraum-Fantasy und Surrealismus entscheiden, Christopher Nolan versucht sich sozusagen am Großen Vereinheitlichten Plot – und scheitert. Jedenfalls hatte ich wesentlich mehr erwartet und war am Ende reichlich enttäuscht.

Es bleiben etliche Fragen offen, vor allem, was die Aktionen der künftigen Menschheit betrifft: Wieso haben sie das Wurmloch beim Saturn platziert und nicht erdnäher, um die Reise dorthin zu erleichtern? Wieso sind sie darauf angewiesen, dass Cooper eine Mission annimmt, in deren Verlauf er erst selbst die Ursache dafür setzt, dass er an ihr teilnimmt, damit er dann über ein Bücherregal mit seiner Tochter kommunizieren kann, die das Rätsel schließlich knackt? Das erscheint kompliziert, fehleranfällig und reichlich umständlich. Warum schicken sie nicht einfach ein Signal mit den notwendigen Daten an die NASA? Auch der Rest ist nicht ganz rund: Müsste nicht auf dem Wasserplaneten eine solche Graviation herrschen, dass die Crew dort nicht aufrecht stehen kann, geschweige denn mit ihren begrenzten Treibstoffreserven wieder starten? Ist ein Planet so nahe an einem Schwarzen Loch überhaupt ein sinnvoller Kandidat, für den sich das Risiko der Erkundung lohnt? Immerhin ist er ziemlich harter Strahlung ausgesetzt und könnte zudem eines Tages verschluckt werden. Wieso kommt Cooper am Stück ins Innere des Schwarzen Loches – und sogar wieder heraus, und das auch noch (nach kosmischen Maßstäben) fast daheim?

Kann man sich das angucken? Rhetorische Frage, jetzt habe ich eh schon alles verspoilert. Aber wer Sitzfleisch hat und keine zu hohen Erwartungen an den Science-Fiction-Anteil: nichts wie hin. „Angucken“ ist hier das Stichwort, die Bilder sind großartig, sehen kaum animiert aus, und allein der Saturnvorbeiflug und die Reise durchs Wurmloch sind es wert. Außerdem gibt es lustige Roboter.