Skizzenbuch

Beaugency

french cafe

Beim Aufräumen in meinem Skizzenbuch gefunden – ein Bild aus dem Urlaub des vorletzten Jahres. Besonders nett waren die Engländer am Nebentisch, die alles „typically french“ fanden, besonders „the drawing girl next to us“.

So, und jetzt hab ich Fernweh.

Springen vom Beckenrand verboten

swimming zombie

…sonst gehen womöglich Teile verloren.

Den Zombie im Schwimmbad verdanken wir der FAZ, die damit diesen Artikel (für FAZ-Plus-Leser) anteaserte, in dem sehr zu meiner Enttäuschung das Wort „Zombie“ gar nicht mehr vorkam. Und man mag von Gunther von Hagens´ Ausstellung halten, was man will, „Zombies“ oder auch „Untote“ sind es definitiv nicht. Die könnten sich vor lauter Plastinierung vermutlich gar nicht bewegen.

fazzombiesimtiefenbecken

Burka essen Kunst auf

Burkaverbote – allmählich wird es ein eigenes Genre in den Kommentarspalten der großen Tageszeitungen, sich möglichst kreative Gründe dafür auszudenken. Besonders kreativ ist, wie es ihr als konservatives Leitmedium gebührt, die FAZ. Das allein wäre keiner gesonderten Erwähnung wert (konservative Zeitung ist konservativ, duh), aber der jüngste Beitrag bringt einen neuen Aspekt in die Debatte:

Wer mit einer Burka bekleidet durch eine Gemäldegalerie promeniert, erniedrigt die Kunst, unseren größten Schatz.

In diesen Gemäldegalerien hängen vorwiegend „Darstellungen nackter Körper“, und es ist nicht etwa voyeristisch, zu lange auf Cranachs „Venus“ zu gaffen, nein:

Die Burkaträgerin macht aus dem Museumsbesuch eine Peepshow, aus einer Begegnung mit Kunst wird feiger Voyeurismus.

Vielleicht will sie einfach nur diese abendländische Kultur kennenlernen, von der so viel die Rede ist.

burka1

Nun bin ich ja selbst nicht nur eine gelegentliche Besucherin von Kunstausstellungen, sondern produziere auch Kunst, und deswegen hat es mich gleich doppelt interessiert, warum:

Die Malerei erforscht den Sinn unserer physischen, sterblichen, fragwürdigen Existenz, sie tut es ungeschützt, und das gebietet als Minimum der Respekterweisung, dass der Betrachter sich und seine mögliche Erschütterung nicht versteckt.

Malerei hat meiner bescheidenen Meinung nach genau einen Sinn: den, den der oder die Malende darin sieht. Ob das Gewinnstreben, Selbsttherapie, politisches Statement, philosophische Suche, oder die schlichte Freude am Hantieren mit Farben ist, entscheidet die Künstlerin. Dementsprechend gibt es auch kein festgelegtes „Minimum an Respekterweisung“, oder jedenfalls nicht in meiner Welt. Ich war dieses Jahr mit ein paar Bildern an der Jahresausstellung „meines“ Ateliers beteiligt, und natürlich habe ich mich gefragt, wie die Besucher wohl meine Bilder finden, aber mir wäre nicht in den Sinn gekommen, zu verlangen, dass sie ihre eventuelle Erschütterung zeigen. Abgesehen davon, dass „Erschütterung“ auch durch ein Pokerface versteckt werden kann, ganz ohne Burka. Und was heißt „ungeschützt“ in diesem Kontext? Dass das Bild keine Burka trägt? Das wäre mal eine schicke Installation.

burka2(Der Beitrag enthält insgesamt viele, nunja, Wortaneinanderreihungen, die als Argument zu bezeichnen eine Beleidung für richtige Argumente wäre, aber ich übe mich in Selbstbeherrschung und sage nichts dazu. Das meiste hat ohnehin Muriel schonmal behandelt.)

Nur wer sich dauerhaft bei uns niederlässt, muss lernen, dass Frauen ihre Würde hierzulande anders wahren können, als indem sie sich einen Sack über den Kopf ziehen.

burka3Eine von beiden ist eine emanzipierte Frau. Die andere zieht an, was ihr Mann für gut befindet. Und jetzt denken wir alle nochmal über Klischees nach.

 

Kaiserpfalzdetail

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Goslar ist eine meiner Lieblingsstädte – dort gibt es Fachwerkhäuser en masse, Gose, ein Flüsschen mit dem lustigen Namen „Abzucht“, ein Bergwerk und eine Kaiserpfalz. Deren Rettung vor dem Zerfall ist dem Nationalismus der 1860er und70er Jahre zu verdanken, auch wenn diese Rettung um den Preis einiger wilhelminischer Bausünden und eines sehr nationalistisch-kitschigen, aber technisch ziemlich beeindruckenden Wandgemäldes im Kaisersaaal erfolgte. Ich hab mich hier auf die Pfalzkapelle St. Ulrich beschränkt – eigentlich sind es sogar zwei Kapellen übereinander. Die obere war exklusiv der Kaiserfamilie vorbehalten und in der unteren liegt das Herz Heinrichs des III., der von 1046 bis 1056 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation war. (Der Rest von ihm liegt in Speyer, aber Goslar war seine Lieblingspfalz, weshalb man das mit dem begrabenen Herz ruhig metaphorisch verstehen kann.)