Gerichtszeichnung

Gerichtszeichnung

Über allen Gipfeln ist Ruh… hier auch, meine examensbedingte geistige Zerrüttung schreitet voran. Deswegen habe ich mal was Älteres ausgegraben: im Strafrechtspraktikum habe ich mich aus lauter Langeweile als Gerichtszeichnerin versucht, allerdings ähneln die Abbildungen den Originalen nicht besonders. Das ist einerseits wenig schön, umgekehrt können die sich, sollten sie hier vorbeistolpern, nicht darüber beschweren, ihr Recht am eigenen Bild sei verletzt (und die Verhandlung war natürlich öffentlich).

Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, die Kinder seiner Verlobten geschlagen und jemanden beleidigt zu haben. Das mit der Beleidigung war etwas undurchsichtig, da sie angeblich auf Arabisch erfolgte, der Beleidigte kein Arabisch konnte und eins der Kinder dann übersetzt hatte – wobei ich mich im Nachhinein frage, woher das Kind dann den Wortschatz hatte. Die Verlobte war, man möge mir verzeihen, das typische dicke deutsche Mädel mit wenig Selbstbewusstsein, dass dem Manne zuliebe zum Islam konvertiert war (aber seine Sprache nicht sprach, und er konnte kaum Deutsch, deswegen auch der Dolmetscher). Die beiden waren sich nicht so recht einig, ob sie verheiratet seien oder nicht (sie hatten sich nach islamischem Ritus trauen lassen, aber nicht standesamtlich, woraus begrifflich ein paar Verwirrungen entstanden), und auch nicht darüber, wie die Kinder zu erziehen seien, die verstanden sich mit dem Angeklagten nicht besonders gut, und er rechtfertigte seine harschen Maßnahmen damit, dass sie geklaut hätten. Am coolsten war der Verteidiger: weit abseits vom üblichen Juristen-Dresscode erschien er mit wilder Lockenmähne und fransiger Rocker/Cowboy-Lederweste, die leider unter der Robe nicht so zur Geltung kam.