Matt Ruff

Metanarration und Billigbier (1/52)

„52 Bücher“ sind wieder da, und damit sich arme kleine Studenten nicht übernehmen, oder einfach aus Gründen der Puscheligkeit, fangen wir mit was Leichtem an: „Was liest du zur Zeit?“

„Fool on the Hill“ von Matt Ruff, über den ich  schonmal geschrieben hatte, lag diese Woche zum zigsten Mal wieder auf meinem Nachttisch. Es ist eine große Hommage an die Cornell University in Ithaca (Mr. Ruff hat da studiert), an das Studentenleben, ans Erzählen an sich und an Hunde. (Und Shakespeare, soweit ich das beurteilen kann.) Einerseits wären da die Bohemier, eine betont nonkonformistische Studentenverbindung, die in ihrem Abschlussjahr möglichst viel Spaß haben möchten, des weiteren George, hauptberuflich Geschichtenerzähler, der seine Traumfrau sucht und den Wind rufen kann, sowie Mischlingshund Luther, der die Universität für den Himmel hält. Allerdings inszeniert ein ominöser Mr. Sunshine, ein „griechisches Original“, ein Grimmsches Märchen und noch ein paar andere Geschichten neu und bedient sich dabei auf eine teilweise recht rücksichtslose Art und Weise der Protagonisten, die ja eigentlich Mr. Ruffs Protagonisten sind, der aber trotzdem keine Skrupel hat, sie Mr. Sunshines unsubtilen Späßen auszusetzen. Es sind ein paar wunderbare Reflexionen über das Geschichtenerzählen in dem Buch, aber auch Passagen, in denen man merkt, dass der Autor frisch von der Uni kommt und die Puppen mal so richtig tanzen lassen will. In „G.A.S.“ hat sich Matt Ruff meiner bescheidenen Ansicht nach so weit perfektioniert, dass man ich viele Verbindungen oder Metaspäße erst beim wiederholten Lesen mitbekommen habe, in „Fool on the Hill“ ist er noch etwas holzhammermäßiger (Affen an Schreibmaschinen, jaaah… schon gut), aber dafür auch frischer unterwegs, und er bekommt es irgendwie hin, über Romeo und Julia, Kobolde, Modellbauschiffchen, Krieg, Wahre Liebe, Erste Liebe, Gummipuppen, Tolkien, Studentenverbindungen, Rassismus, den Ku-Klux-Klan, Kiffen, den Tod, Katzen, Atheismus, Prinzessinnen, Dosenbier, Drachen, wahnsinnige Doktoranden und noch einiges mehr zu schreiben, ohne das das Buch allzu sehr auseinanderfliegt.

Und weil ich so herummäandere, mache ich es mal wie die Buchrezenten im Radio und hänge meine Schlussfolgerung als Prädikat nochmal an: „Fool on the Hill“: Empfehlenswert. Es sei denn, man mag keine Universitätsgeschichten.

 

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