Monat: März 2012

52 Bücher, 21. Woche: Aliens und andere Essensgäste

Heute ärgere ich mich zum so ziemlich ersten Mal überhaupt, nie „Das perfekte Dinner“ oder ähnliches geguckt zu haben. Denn selbst wenn das kein Buch ist, es würde so gut zum Thema „Aliens oder schau mal wer da zum Essen kommt“ passen. Wenn das Alien zweimal klingelt…

Allerdings gibt es noch, und das ist nicht nur ein Buch, es passt auch, wie der Facehugger aufs Gesicht passt: „Alien“, alle drei Romane in einem Band. Ich bin ja ein großer Fan der Alien-Filme – vom ersten hatte ich jahrelang Alpträume (danach hat mir nur „The Ring“ wieder so nachhaltig Angst eingejagt), und den zweiten und dritten fand ich immer noch sehr okay. Das Buch lief mir zu, und zwar wortwörtlich – es ist ein BookCrossing-Buch, eines Tages lächelte es mich von der Theke der Juristenbibliothek aus an. Wahrscheinlich ist es nur so lange bei mir geblieben, damit ich es heute vorstellen kann, danach lasse ich es endlich mal wieder frei.

Worum geht´s? „A group of very unlucky working stiffs having the worst week ever„, wie es meine unangefochtene Lieblingscomiczeichnerin, Faith Erin Hicks, ausdrückt. Die Besatzung des Raumfrachters Nostromo wird, irgendwo in der finstersten Entsprechung des Universums zur Pampa, aus dem Kälteschlaf gerissen. Grund ist ein Notsignal von einem öden Asteroiden, auf dem sie landen, ein unheimliches Raumschiff eindeutig nichtmenschlicher Machart und dort drinnen… gar nichts finden. Außer einem offensichtlich toten Wesen und einem Haufen Eiern. Aus einem der Eier springt der „Gesichtsklammerer“ (Facehugger klingt eindeutig besser) den unglücklichen Kane an, und aufgrund einer Verkettung merkwürdiger Zufälle passieren Kane und sein Anhang die Quarantäneschleuse. Alle Versuche, das Wesen von Kanes Gesicht zu entfernen, scheitern, da es hochwirksame Säure in seinen Adern hat und ein paar Tropfen davon beinahe das komplette Schiff durchätzen. Dann rutscht es von allein ab, Kane erwacht, und mitten in einer gemütlichen Genesungsfeier durchbricht ein… Ding seinen Brustkorb und verschwindet in den Eingeweiden des Schiffes. Das Alien kommt sozusagen zum Essen, und die Crew der Nostromo ist Gastgeber und Mahlzeit gleichermaßen, beides ausgesprochen unfreiwillig. Flammenwerfer und Vakuumschleusen beirren es keineswegs in seinem Appetit, dem nach und nach die gesamte Crew zum Opfer fällt, bis Lieutenant Ellen Ripley zu drastischen Maßnahmen greift.

Worum geht´s wirklich? Das eigentliche Problem ist weniger das Alien als vielmehr der Vertreter der profitigierigen „Gesellschaft“, die das angebliche Notsignal kostengünstig von einem vorbeikommenden Schiff untersuchen und bei dieser Gelegenheit gleich ein Alien zur Erde bringen lassen wollte. Der Mensch ist zwar allein in einem gleichgültigen Universum… aber die Anwesenheit weiterer Menschen ist bisweilen zur Furcht Grund genug.

Muss man das lesen? Unbedingt. Für ein „Buch zum Film“ (es basiert auf dem Drehbuch von Dan O´Bannon) hat Autor Alan Dean Foster vor allem aus dem ersten Band eine Menge herausgeholt und die Atmosphäre auf der Nostromo – ein Mix aus Funktionalität und Trostlosigkeit, in das sich nach und nach das Grauen mischt angesichts des unberechenbaren Neuzugangs – wunderbar eingefangen. Schon der Beginn, in dem die Mannschaftsmitglieder, noch im Hyperschlaf, anhand ihres Traumverhaltens charakterisiert werden, ist weit literarischer, als ich anhand des Genres erwartet hätte, und viele Szenen stehen in puncto Luftanhaltefaktor dem Film kaum nach.

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Geplauder zum Donnerstag

Kaum zu glauben, wie lange ich mich hier schon nicht mehr über den Veggie-Tag bwz. meine Ablehnung desselben verbreitet habe. Liegt vielleicht daran, dass ich der Mensa ganz den Rücken gekehrt habe und daher von „Mensa-Policy“ (sic) nichts mehr mitbekomme, was vermutlich für alle Beteiligten und auch ein paar Nichtbeteiligte besser so ist. Wäre dieser Artikel aus der FAZ nicht, hätte ich auch von der VeggieWorld nichts mitbekommen, aber einer „Messe für nachhaltiges Genießen“ konnte ich nicht widerstehen (hier gibt´s die Flyer).

Eigentlich wolle ich ja nur zur Entspannung nach der heutigen Probeklausur ein bisschen lästern, zum Beispiel über die Idee, Fleisch aus dem Reagenzglas zu züchten (aber gegen Gentechnik sein, hm?), oder über das angekündigte Institut für Zoologische Theologie, das sich selbst Institut für Theologische Zoologie nennt, aber dann fiel mein Blick auf den Namen Ruediger Dahlke. Dahlke? War das nicht dieser komische Eso-Arzt? Er würde sich selbst sicher anders bezeichnen (zum Beispiel so), er ist jedenfalls einer aus der Krankheit-ist-ein-Signal-der-Seele-Ecke. Über die könnte ich mich tagelang aufregen, denn es ist nicht witzig, bei akuter Neurodermitis gesagt zu bekommen, man habe wohl ein „Kontakt-“ oder ein „Abgrenzungsproblem“. Diese Leute machen es außerdem echt schwierig, noch irgendwo Ernstzunehmendes über psychosomatische Krankheiten zu finden, oder über diesbezüglich noch nicht (ausreichend) erforschte Krankheitsursachen, denn für „Hautkrankheiten deuten auf Kontaktprobleme hin“ muss man nicht erst lange und mühsam Medizin studieren. Mag sein, dass da irgendein Zusammenhang besteht – die Verbindung ist dann aber sicher nicht so einfach. Ich wäre für die Fraktion vermutlich ein gefundenes Fressen, denn ich kann es nicht ausstehen, fremden oder unsympathischen Menschen die Hand zu geben, und wenn ich jetzt noch erwähne, dass meine Neurodermitis hauptsächlich an den Händen auftritt… allerdings an der  linken, und die gibt man ja für gewöhnlich niemandem.

Ich finde das aber auch aus einem anderen Grund irgendwie symptomatisch: Vegetarier gelten ja gemeinhin als empathiebegabter – so empathiebegabt, dass sie auch Tieren komplexe Emotionen zuschreiben. („Ich esse nichts, was Melancholie empfindet!“ wäre übrigens mal ein schöner Slogan.) Allerdings scheint in dieser Empathiebegabung auch eine gewisse Gefahr zu liegen: man „fühlt“ Zusammenhänge eher, als sie rational zu erklären. Nun würde ich das auf gar keinen Fall von allen Vegetarieren behaupten – schon die in meinem Freundeskreis sind, im Gegenteil, alle eher rationale Menschen, aber ich frage mich trotzdem immer noch, warum gerade die Paracelsus-Messe die „Schwestermesse“ der Veggie-World ist, die vielleicht interessante Ansätze bietet, aber auch Feng Shui, Ganzheitliche-Heil-Sachen-von-unbekannten-Firmen (ein Schelm, wer denkt, die würden nur ihr Zeug verkaufen wollen) und viel Platz für raum&zeit, die, sagen wir mal vorsichtig, unkonventionelle Sachen vertreten. Chakrenbalance und Quantensprünge im Bewusstsein sind da noch die harmloseren Dinge, aber Basenbäder und Kaffee-Einläufe gegen Krebs zu empfehlen oder Allergien „energetisch löschen“ zu wollen… lange Rede, kurzer Sinn: die „wissenschaftlichen “ Veggie-Tag-Verkünder, die zu allem und jedem eine Zahl parat haben (nicht betäubte Schweine pro Schlachtgang, Ackerfläche für Futtersoja vs. Ackerfläche für Tofusoja, Methanausstoß pro Kuh, etc.), finde ich zwar anstrengend, aber man kann mit ihnen auf einer sinnvollen Basis diskutieren. Das Unbehagen aber, das mir Leute vermitteln, die irgendwann frustriert aufstampfen und ausrufen „Ihr seht das einfach nicht richtig!“, das bekommt erst wirklilch Futter, wenn Vegetarismus, Feng Shui und das ganze andere, Entschuldigung, bekloppte Zeug in einen Topf geworfen werden, denn dann ist ein rationaler Zugang fast nicht mehr möglich. Und ich grusel mich doch so gerne vor Leuten, die ihre Vernunft zugunsten von Komplexitätsreduzierung an irgendeiner Garderobe abgegeben und dort vergessen haben.

Zombie für Zwischendurch

Bei den Bibliotheksskizzen hatte ich ganz vergessen, neben den Besuchern auch die andere Seite zu beleuchten: das Personal. Insbesondere das „Wir lassen Besucher erst rein, wenn der Funkwecker verkündet, dass es Punkt acht Uhr ist“-Ritual sei erwähnt. Wenn ich mit einem Arm voller Bücher 7:58:43 Uhr den Lesesaal betreten möchte und zurückgepfiffen werde, mich dann, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, in eine Debatte über Sinn und Unsinn dieser Vorschrift stürze und das Ganze gipfelt mit: „WirhamdieRegeljaauchnichgemacht.“, dann zweifle ich manchmal an der Menschheit. Kein Wunder, wenn ich in einer Arbeitspause dann sowas halluziniere:

Natürlich würde ich die netten Leute dort nie direkt mit Zombies vergleichen. Es sei denn, ich werde an der Garderobe noch ein paar Mal gefragt, was sie denn bitteschön mit der Jacke jetzt machen sollen.

Warum ich ACTA-Lobbyist werden will (obwohl ich doch das Abkommen eigentlich nicht gut finde)

Am Sonntag hatte ich euch ja einen ACTA-Artikel versprochen, und weil ich zurzeit bis über beide Ohren in einem Verwaltungspraktikum stecke, bin ich doppelt begeistert, dass notblawg mir ganz von sich aus angeboten hat, einen solchen zu schreiben. Meiner wäre ohnehin nur in einen Rant ausgeartete über Leute, die nicht lesen können, irgendwo aufgeschnappte Parolen vom Untergang der Informationsgesellschaft nachplappern und dabei gar nicht merken, dass ihre Ignoranz bezüglich des Originaltextes selbigen Untergang wahrscheinlich schneller herbeiführt als fünf beliebige Abkommen zusammengenommen. Aber sie hat das viel sachlicher hingekriegt. Bühne frei:

Ich habe etwas festgestellt. Will ich auf meiner facebook-Seite zurzeit eine echte Diskussion mit entsprechend hohen Klickzahlen erreichen, geht das mit zwei Themen: Gauck und ACTA. Zum DDR-Bürgerrechtler kann man eigentlich nicht mehr viel beitragen.
Viel spannender ist aber die virale Kampagne rund um das Anti-counterfeiting Trade Agreement (kurz: ACTA). Nicht nur die internationale Dimmension sondern auch die unnachgiebige Verbissenheit, mit der gegen ACTA gekämpft wird, ist eine nähere Betrachtung wert. Ich bin ein aufmerksamer Beobachter der deutschen Netzpolitik-Szene. Informiert man sich dort (also zum Beispiel bei netzpolitik.org) könnte man fast den Eindruck gewinnen, mit der Unterzeichnung von ACTA wurde gerade der Weltuntergang besiegelt. Nicht ganz unschuldig daran ist ein gewisses Video von Anonymus. In Deutschland kommt noch die eingebildete, aber leider nicht vorhandene Sachkompetenz einiger Internetprotagonisten hinzu. Demnach wäre ACTA ein internationales Gesetz, dass Three Strikes einführt. Urheberrechtsinhaber können Strafen für Verletzungen ohne Beachtung nationaler Regeln festlegen und vollstrechen lassen. Provider müssen den Internetverkehr ihrer Kunden überwachen. Und das alles natürliche ohne rechtsstaatliche Kontrolle.

Nur eine Auswahl der bösen Dinge mit dem Namen ACTA. Auffällig ist, dass dabei nie auf den Vertragstext hingewiesen wird, Zitate sucht man vergeblich. Manchmal hat man sogar den Eindruck, die Kommentatoren hätten das ACTA-Abkommen gar nicht gelesen.

Auch deswegen meine ganz persönliche Auseinandersetzung mit den Mythen über ACTA:

  1. „Three Strikes“ bedeutet im Zusammenhang mit Urheberrecht, dass nach drei Verstößen der Internetanschluss des Veursachers für eine bestimmte Zeit gekappt wird. Ursprünglich ein Begriff aus dem Baseball und später ein Konzept der amerikanischen Verbrechensbekämpfung („three strikes and you are out“), war solch eine Regelung auch in einem ersten Entwurf zu ACTA enthalten, wurde aber – auch aufgrund erster Proteste – gestrichen.

  2. ACTA ist kein Gesetz, sondern ein internationales Handelsabkommen, somit also ein völkerrechtlicher Vertrag. Wie bei privatrechtlichen Verträgen sind zunächst nur die jeweiligen Partner gebunden, im hier vorliegenden Fall die Staaten bzw. Staatengebilde (EU), nicht jedoch deren Bürger. Zwar hat die EU ACTA schon unterschrieben, damit die Tinte auf dem Papier aber etwas wert ist, müssen alle Mitgliedstaaten den Vertrag genehmigen. Das ist der gerade stattfindende Ratifizierungsprozess, der in vielen Staaten gestoppt wurde. Aber auch auf EU-Ebene gibt es mittlerweile Bedenken. Auch wenn der Prozess weiter fortschreitet, so ist nach Gültigwerden von ACTA erst einmal jeder Vertagspartner aufgefordert, die eingegangenen Verpflichtungen umzusetzen. Im Falle der EU geht das wesentlich über zwei Schienen. Die erste Möglichkeit ist eine Verordnung. Das ist eine Art EU-Gesetz, dass unmittelbar für alle Bürger der Mitgliedstaaten gilt. In der Regel erlässt man aber eine Richtline. Dies ist eine Handlungsanweisung an die Staaten der EU, nationale Gesetze nach bestimmten Vorgaben zu erlassen. Im Fall des Falles ist es also ein langer Weg bis zur Bindung der Bürger. Ganz davon abgesehen, dass die erlassenen Gesetze natürlich europarechts- und verfassungskonform sein müssen.

  3. Der Inhalt von ACTA ist weniger konkreter und inversiver, als gemeinhin dargestellt wird. Grob gesagt: Es soll überhaupt Urheberschutz geben. Der Rechteinhaber soll zivilrechtliche Möglichkeiten haben, diese einzuklagen und für eine Verletzung Schadensersatz bekommen. Auch im Strafrecht soll es Möglichkeiten geben Urheberrechtsverletzungen zu sanktionieren. Den meisten werden diese Dinge bekannt vorkommen. Denn sie sind im deutschen Recht schon längst verwirklicht.

  4. Es muss leider zugegeben werden: ACTA ist von Juristen verfasst und es spricht viel dafür, dass es auch nur von Juristen gelesen werden kann. Gerade wenn es um das Internet geht, scheinen sich die Wortführer aber zu zieren, die echten Experten zu fragen. Es ist wohl einfacher seine eigene Meinung als Fachwissen zu verkaufen und ein bisschen Panik zu machen. Wer immer gleich Zensur schreit, dem empfehle ich allerdings die Lektüre eines Kommentars zum Grundgesetz.

Sollte man deswegen nun für ACTA sein? Überraschenderweise lautet die Antwort: Nein! ACTA ist ein internationales Handelsabkommen, dass instransparent und unter starker Einflussnahme von Lobbyorganisationen zu Stande gekommen ist. Es zementiert ein Urheberrecht, dass spätestens seit dem Aufkommen des Internets nicht mehr zeitgemäß ist. Wenn landauf, landab Menschen auf die Straße gehen, weil sie glauben mit ACTA den Weltuntergang stoppen zu können, überkommt mich ein mulmiges Gefühl. Ich würde mich ja so gerne auf einer dieser Demos für eine Reform des Urheberrechts einsetzen. Ich glaube nur, dass es darum gar nicht geht.

Kommentierte Linksammlung:

http://www.internet-law.de/2012/02/ist-die-acta-hysterie-berechtigt.html

RA Stadler ist nach meinem Empfinden der Einzige, der in der deutschen Internetszene einen kühlen Kopf bewahrt. Er hat viele Artikel zu ACTA veröffentlicht, dieser sei beispielhaft und zur Übersicht empfohlen.

http://arstechnica.com/tech-policy/news/2012/01/internet-awash-in-inaccurate-anti-acta-arguments.ars

Ein guter Artikel, der zur Abwechslung einmal auch direkt aus ACTA zitiert.

http://ec.europa.eu/trade/tackling-unfair-trade/acta/

Die Übersichtsseite der Europäischen Kommission zu ACTA.

http://register.consilium.europa.eu/pdf/en/11/st12/st12196.en11.pdf

Der Wortlaut des Abkommens auf Englisch. Nicht einfach zu lesen, aber wer sich wirklich eine Meinung bilden will, sollte sich durchkämpfen

http://register.consilium.europa.eu/pdf/de/11/st12/st12196.de11.pdf

Auf deutsch ist ACTA eigentlich ganz gut zu lesen. Da aber bestimmte Begriffe auf englisch eine andere juristische Bedeutung haben oder es für einige Termini keine exakte deutsche Übersetzung gibt, sollte man zum Vergleich immer auch die englische Version beiziehen.

Wie wollen wir leben? Und wenn ja, warum nicht?

Urban Priol hat sich neulich über den Zukunftsdialog lustig gemacht, und aus irgendeinem anderen Anlass bin ich dann da vorbeigestolpert und weiß nun nicht so recht, ob ich mich darüber aufregen soll, dass das anscheinend wieder so eine Wir-diskutieren-mal-ganz-kontrovers-und-am-Ende-kommt-nichts-dabei-rum-Geschichte wird, oder im Gegenteil genau darüber froh sein. Und da ich ja gerne und zu allem eine Meinung habe, lade ich euch dazu ein, mit mir die Top Ten der Vorschläge in der Rubrik „Wie wollen wir leben?“ unter die Lupe zu nehmen (Ranking nach bester Bewertung heute, 18:49 Uhr.)

„Offene Diskussion über den Islam“, 97460 Broder-Buddies Stimmen – dazu gebe ich gleich mal das Wort an Ali Arbia, der hier und hier sehr schön beschrieben hat, was das Problem mit den wenigen Zeilen dieses Vorschlages ist: der Vorschlagende scheint schon ziemlich genau zu wissen, wie eine „offene Diskussion“ auszusehen hat, die hat nämlich endlich mal die „Islamkritik“ zu ent“pathologisieren“. Manche Leute fordern vor allem dann eine offene Diskussion, wenn ihnen sonst die Argumente ausgegangen sind.

Legalisierung von weichen Drogen, 94293 Stimmen. Okay, von mir aus. Ehrlich gesagt kenne ich mich mit Cannabis und Co in keinster Weise aus, und ihr dürft mich gern eines Besseren belehren, aber ich sehe jetzt nicht so richtig, warum man Sachen verbieten muss, deren Suchtpotential (zumindest nach meinem Kenntnisstand) auch nicht größer ist als bei Alkohol. Außerdem können dann, sobald das nicht mehr illegal ist, die Konsumenten ihren Dealer verklagen, wenn der das Zeugs streckt, und all die schönen Ansprüche, die das BGB bei Verbrauchsgüterkäufen bereit hält, geltend machen. Das das allerdings gleich auf Platz 2 landet, lässt mich irritiert ob der Prioritäten mancher Leute zurück.

Ein Gesetz gegen die Leugnung des Völkermordes an den Armeniern und Aramäern, 82560 Stimmen. Die Begründung haut konsequent Völkerrecht und nationales Strafrecht durcheinander, völkerrechtlich sind die Ereignisse von 1915/16 nämlich durchaus als Völkermord anerkannt. Was eine strafrechtlich relevante Leugnung in Deutschland mit der Minderheitenpolitik der Türkei zu tun hat, erklärt der Vorschlag leider nicht. Und im Übrigen sage ich es gerne nochmal ausdrücklich: ich bin nicht dafür, Völkermorde zu leugnen. Ich bin nur sehr dagegen, erwünschte und unerwünschte Aussagen (seien die Gründe dafür noch so hehr) strafrechtlich durchzusetzen. Der französische Verfassungsrat sieht das übrigens auch so.

Erfüllung des Kinderwunsches finanzierbar machen, 45326 Stimmen. Unschlüssig. Das vorgeschriebene Alter finde ich in der Tat schwachsinnig, vor allem die Untergrenze von 25 Jahren, andererseits weiß ich nicht, ob der Staat da wirklich zuhelfen muss. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur herzlos.

GEZ Abschafen !!! (sic), 44365 Stimmen. Eigentlich hat er ja Recht, auch wenn man den Text als Beleg dafür nehmen könnte, dass es noch nicht genug Bildungsprogramme gibt. Die Haushaltsabgabe halte ich für verfassungswidrig (mir egal, ob Paul Kirchhof das anders sieht – das wäre eine zweckgebundene Steuer, und das ist Quatsch), und die Tatsache, dass nach jedem Umzug ein netter Brief ins Haus geflattert kommt, hat mich schon ein paarmal in die Versuchung geführt, dem Einwohnermeldeamt einen bösen zu schreiben.

„Waffenrecht – Fakten statt Lügen“, 41081 Stimmen. Wieder unschlüssig. Ich gebe mir ja Mühe, eine gute Liberale zu sein, aber ich gebe auch gerne zu, dass es mir kein bisschen leid tut, dass nicht jeder eine Waffe kaufen kann, der das gerne möchte. Aber sachliche und faktenorientierte Diskussionen sind immer gut. Mal abgesehen davon, dass ich die Regelung mit der Messerobergenze nie ganz verstanden hab.

Machen Sie den Bürgerdialog zu einer Dauereinrichtung„, 32166 Stimmen. Ja, und was bringt das dann? Noch eine Plattform, auf der nix passiert. Erstens ist es im Internet ziemlich leicht, jede Menge Klicks für irgendwelchen Quatsch zu kriegen (siehe Platz 1), und davon abgesehen bin ich nicht so sehr für die Schaffung immer neuer Plattformen, Kommunikationswege usw., sondern eher für eine stärkere Nutzung der bestehenden. In diesem Sinne: Schauen Sie lieber mal im Büro Ihres Bundestagsabgeordneten vorbei, vielleicht freut der sich sogar.

Direktwahl des Bundespräsidenten„, 28336 Stimmen. Vier von fünf Deutschen wollen das angeblich. Allerdings wählen sie dann jemanden direkt, der quasi keine sinnvollen Befugnisse hat (abgesehen vom Verweigern der Gesetzesausfertigung), was sicher alsbald zu einer Umgestaltung des Amtes führen würde und das wiederum zu einer Umgestaltung des ganzen Grundgesetzes, denn ob man´s glaubt oder nicht (ich glaub es manchmal auch nicht, und ich studiere den Kram), das ist alles sehr durchdacht und ausbalanciert. In der Theorie. Macht man den Bundespräsidenten stärker und wählt ihn direkt, hätte man wieder eine Art Ersatzkaiser, außerdem stellt sich dann die Frage, wie man das im Verhältnis zum Kanzler gestaltet. So einfach ist das jedenfalls nicht, deswegen finde ich den Vorschlag unüberlegt.

ACTA – Überwachung aller Nutzer des Internets„, 25609 Stimmen. Das ist mir einen eigenen Beitrag wert. Bislang habe ich so viel „Kritisches“ gehört und gleichzeitig so wenig Belege für den prophezeiten Untergang der freien Informationsgesellschaft aus dem Vertragstext gesehen, dass ich das Ding jetzt doch mal selber lesen will, aber das dauert wohl noch ein bisschen.

Geburt„, 25549 Stimmen. Ach, Mist. Bis eben stand da noch der Ruf nach einem Verbot schariakonformer Halalschlachtung, und dazu fällt mir einiges ein. Muss ich wohl auch einen eigenen Beitrag dazu schreiben. Nächste Woche wird Zukunfstdialogwoche, wie´s aussieht. Das Anliegen, das dahinter steckt, finde ich zumindest teilweise unterstützenswert – Hebammen fördern halte ich für sinnvoll, vor allem, seit die Zeit sich mit Familienhebammen beschäftigt. Was mich allerdings irritiert, ist dieser Abschnitt:

Im Krankenhaus sollten natürliche Geburten ohne Zusatzeingriffe genau so hoch vergütet werden wie Kaiserschnitte und Interventionen. Nur dann haben Mütter wieder die Chance ihre Kinder auf natürlichen Wege zu gebären.

Frauen haben auch jetzt schon die Chance, auf natürlichem Weg zu gebären, es gibt immerhin sowas wie ein Selbstbestimmungsrecht der Patientin (und des Patienten, aber in dem Falle gitl wohl eher die weibliche Form). Aber falls euch das Thema interessiert, dann geht mal zur Heldin im Chaos, die kann euch mehr darüber erzählen.

52 Bücher, Woche 19: Chick Lit

Chick Lit? Nicht im Ernst. Ich wusste nicht mal, was das ist, dankenswerterweise gibt es eine eigene Seite dazu:

chick lit is a genre comprised of books that are mainly written by women for women. […] The plots usually consist of women experiencing usual life issues, such as love, marriage, dating, relationships, friendships, roommates, corporate environments, weight issues, addiction, and much more.

So how does that differ from regular woman’s fiction, you might be wondering? Well, it’s all in the tone. Chick lit is told in a more confiding, personal tone. It’s like having a best friend tell you about her life. […] Nearly every chick lit book I have read has had some type of humor in it. THAT is what really separates chick lit from regular woman’s fiction.

Chick lit is also a truly fascinating character study. That is one major factor that keeps me so interested in the genre. A chick lit author takes a character and puts them through a series of mostly realistic ordeals – many that many women can relate to. The end result is usually very interesting, detailed, fun-to-read and satisfying.

Das klingt zwar erstklassig unemanzipiert, aber auch Frauen können ja nicht den ganzen Tag Physik-Bücher und Nobelpreisliteratur schmökern. Nach den erwähnten Kriterien habe ich in der Tat auch ein bisschen Chick Lit gelesen – Bridget Jones zum Beispiel, oder den ersten Band von Twilight, sogar ein paar Jahre vor dem Film. Beide hatten gemeinsam, dass ich sie unterhaltsam fand, aber nichts hängen blieb. Mit Bridget bin ich nicht so recht warm geworden, und Bella ging mir auf den Keks. Hauptsächlich, weil sie sich die Ganze Zeit so still und rebellisch und außergewöhnlich fand, ich an ihr aber keinen dieser Charakterzüge entdecken konnte. Oder überhaupt Charakterzüge. Kristen Stewart hat das dann prima umgesetzt, mit ihrer binären Mimik: Mund auf, Mund zu. Allerdings ist die Lektüre auch schon eine Weile her, vielleicht tue ich Miss Meyer zumindest in dieser Hinsicht Unrecht.

Die übrige Twilight-Story kenne ich nur aus dem Filmen. Den ersten habe ich gesehen, als ich krank zu Hause herumhing, den zweiten und dritten, als ich für ein kleines Online-Kinomagazin geschrieben habe. Beide kamen nicht so gut weg, auch wenn mir die Landschaftsaufnahmen gefallen haben, aber ich habe immer angefangen, zu lachen, wenn die Werwolfjungs sich ihre T-Shirts vom Leib risssen (sofern sie sich die Mühe gemacht haben, überhaupt welche anzuziehen), oder Edward wieder seine „Ich liebe dich, hab mich aber nicht genug im Griff für eine Beziehung“-Nummer abzog. Dabei hätte das ganze Ding durchaus mehr Potential gehabt, und vor allem hätte der Subtext unheimlich subversiv sein können. Denn womit bringt man Leute noch auf die Palme, wenn in so ziemlich jedem Spielfilm eine Sexszene vorkommt? Richtig, mit keinem Sex. Den Ansatz mochte ich sogar ein bisschen, weil er gleichmäßig alle Rezensenten in Rage brachte und es toll war, wie sich über 40 Jahre nach der sexuellen Revolution das halbe Feuilleton darüber beschwerte, dass hier Jugendlichen ein unrealistisches und altmodisches Bild von Keuschheit vermittelt werde. Offenbar hat sie ja was gebracht. Twilight 4 war dann fällig, als ich mal wieder krank zu Hause herumhing, und hat mich davon überzeugt, dass ich das dargestellte Frauenbild statt unbeachtlich doch explizit ätzend finde, denn dass Bella ein Kind austrägt, dass sie von innen quasi auffrisst, sie zwingt, Blut zu trinken und ihr das Kreuz bricht („Ich kann sie spüren! Sie liebt mich!… Oh.“), das ging mir dann doch ein bisschen zu weit. Frauenbild und so, ihr wisst schon. Und nur keine Abtreibung!

Ganz anders ist die True Blood-Reihe (im Deutschen immer mit „tot“, „untot“ oder „Vampir“ im Titel, von Charlaine Harris), die, nehme ich mal an, auch zur Chick Lit zählt, und im Gegensatz zu Twilight auch einige der oben im Zitat erwähnten Vorzüge aufweist: Sookie Stackhouse ist vielleicht nicht die hellste Kerze im Leuchter (das ist nichtmal von mir, sondern von einer Buchhändlerin), aber eine charmante Erzählerin, ihr Männerreigen wird so schnell nicht langweilig, und erst in den letzten beiden Bänden ist sie ein bisschen versackt, als zu Vampiren und Gestaltwandlern noch Elfen, Folter und bizarre Todesfälle dazukamen. Allerdings hat True Blood neben Humor auch ein gewisses Erwartungs-Erfüllungs-Moment: Sookie macht keinen Hehl aus ihren diversen Problemen, stellt sich immer ein bisschen dumm an, aber nie so, dass man sich gleich fremdschämen müsste, und findet immer eine Lösung. Selbst ihre Trennungen sind für die Leserin nie richtig traurig, weil immer ein gewisses Befreiungsmoment dabei ist, und für die melancholischen Momente ist immer ein Vampir da, der unsterblich in sie verliebt ist. Sie heiratet sogar unwissentlich einen, und allein schon, wie sie da reinstolpert, ist… unterhaltsam. Mehr würde ich von Chick Lit nicht erwarten, und ich würde kein Buch kaufen, weil es so gelabelt ist (eher davon Abstand nehmen), aber Bücher für die Badewanne sind einige von denen allemal. Wenn sie ins Wasser fallen, macht es allerdings auch nichts.

Dogmatik zum Davonlaufen

Strafrecht ist, wie manche hier vielleicht auch schon mitbekommen haben, nicht so meins. Kürzlich bin ich aber auf eine Konstellation gestoßen, die mich mit dem ganzen Gebiet fast schon wieder versöhnt hat. Sie ist so schön absurd, dass ich sie gern der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte, damit fürderhin an den Stammtischen nicht einfach nur über die Weltfremdheit der Juristen gelästert werden kann, sondern im Laufe einer solchen Debatte immer einer sagen kann: „Das sieht man ja prima am untauglichen Versuch in vermeintlicher Mittäterschaft, dass die alle komisch sind.“ Ein weiteres Beispiel könnte auch der Mord sein, den Muriel nicht mag, aber ich verspreche, dass sich hier mindestens ebenso tiefe Abgründe auftun.

Die Konstellation, der der Untaugliche Versuch in vermeintlicher Mittäterschaft (UVVM) entspringt, muss gar nicht so abwegig sein. Ich nehme mal einen klassischen Klausursachverhalt: A möchte seinem Feind B eins auswischen, sich aber weder selbst die Hände schmutzig machen noch B körperlichen Schaden zufügen. B hat aber eine heiß und innig geliebte (und versicherte) Briefmarkensammlung, sodass A den C anheuert, um Bs Briefmarkensammlung anzuzünden. Dabei spielt er C vor, B sei damit einverstanden und wolle seine Versicherung betrügen, C erhalte später einen Anteil an der ausgezahlten Summe. Ein direkter Kontakt zwischen B und C kommt nicht zustande, C tut einfach, wie ihm geheißen, und zündet die Briefmarkensammlung an. Diese brennt vollständig ab, und der untröstliche B meldet den Schaden seiner Versicherung.

Zunächst könnte C sich strafbar gemacht haben wegen Sachbeschädigung, aber die schenke ich uns mal. Wir fragen uns, ob C nicht versucht haben könnte, einen (Versicherungs-)Betrug zu begehen. Dieser Versuch wäre deswegen untauglich, weil B ja von der ganzen Geschichte nichts wusste und daher einen „echten“ Schaden erlitten hat, es fehlt insofern an einer Täuschung der Versicherung. (Untaugliche Versuche werden, so sagt das Lehrbuch, deswegen bestraft, weil der Täter sich gegen die Rechtsordnung auflehnt und dies allein schon als gefährlich angesehen wird.) Es wäre aber auch möglicherweise ein Fall von vermeintlicher Mittäterschaft, weil C glaubte, mit B zusammenzuarbeiten – er führt den Schaden herbei, B meldet das Ganze seiner Versicherung, kassiert ab und teilt die Beute. C hielt B also quasi für seinen Komplizen. Bei der Prüfung der Strafbarkeit des untauglichen Versuches kommt es allein auf die Vorstellung des Täters an, und ich habe mich immer gefragt, wie man das so genau herausbekommt, bis mir bei meinem letzten Praktikum ein Staatsanwalt lapidar erklärte, die Verwirklichung der objektiven Merkmale indiziere den Vorsatz, und im übrigen seien die Abstreitungen („Ich hab das gar nicht gewollt!“) alle Schutzbehauptungen. Und sowas wird die „objektivste Behörde der Welt“ genannt. Ich schweife ab. Zurück zum UVVM:

C müsste sich zunächst entschlossen haben, die Tat zu begehen. Gegeben, er wollte bei einem Versicherungsbetrug mithelfen. Sein bloßer Wille, Mittäter zu sein, begründet bereits einen „gemeinsamen Tatplan“ (wir erinnern uns: seine Vorstellungswelt ist entscheidend). Dann müsste arbeitsteiliges Handeln vorliegen, die Frage ist also, ob Cs Tatbeitrag, die Briefmarkensammlung anzuzünden, schon so wesentlich ist, dass er Mittäter sein könnte. (Mittäter bei etwas, das nie stattgefunden hat. Man lasse sich das im Großhirn zergehen.) Da C in seiner Vorstellung einen wesentlichen Beitrag zu dem Versicherungsbetrug leistete, nämlich das Schadensereignis herbeiführte, reicht das für Mittäterschaft aus. Die nächste Frage ist, ob ein so genanntes unmittelbares Ansetzen vorliegt. C selber hat ja nur die Briefmarken abgebrannt, aber in seiner Vorstellung könnte B, den er für eingeweiht hält, ja unmittelbar angesetzt haben, indem er den Schaden seiner Versicherung meldet, sagt der BGH. Er sagt das übrigens nicht im Konjunktiv, sondenr bestraft das arme Schein tatsächlich für einen Versuch (ein solcher Fall ist hier). C wird also dafür bestraft, dass er sich vorgestellt hat, einen Betrug zu begehen, wobei weder ein Vermögensschaden noch ein Irrtum der Versicherung noch eine Täuschung im Spiel sind, und man rechnet ihm eine Mittäterschaft zu, die objektiv nicht existiert, wobei „Zurechnung“ bei Mittäterschaft eigentlich, ganz grob gesprochen, bedeutet, dass man etwas angehängt bekommt, was jemand anderes verbockt hat. Ein „eingeweihter B“ wird also aus Cs Vorstellung gewissermaßen extrahiert und ihm dann als Mittäer zugerechnet, obwohl er nie irgendwo anders als in Bs Kopf war. Wunderschön.

O schaurig ist´s, übers Moor zu gehn

Am Montag bekam ich dieses Video (Niels Frevert bei TV Noir mit „Ich würd dir helfen, eine Leiche zu verscharren… wenn´s nicht meine ist.“) an meine Facebook-Pinnwand gepinnt, mit einer nur sehr schwach verklausulierten Aufforderung, daraus doch mal einen Comic zu machen. Meine Interpretation ist eine etwas… abweichende, dafür hab ich den Leierkastenmann eingebaut. Bitteschön:

52 Bücher, Woche 18: Federvieh

Das Undenkbare passiert: Fingerkuppenweitspucken goes Foodblog! Schuld daran ist Natira, die das Motto Federvieh ins Rennen gebracht hat. Und weil mir bei „Federvieh“ zuallererst der ganze Themenkreis um gebratenes Huhn herum eingefallen ist (ich esse eben gern), stelle ich euch heute mal eins meiner Lieblingskochbücher vor.

Es heißt „Die echte italienische Küche“ und beinhaltet, nach Regionen sortiert, einen ganzen Haufen wirklich leckerer italienische Rezepte – typisches Zeugs wie Lasagne oder Pizza Margherita, aber auch etwas ausgefallenere Sachen, wie Ossobucco (geschmorte Kalbshaxe, ein Traum von einem Essen), einen Kutteltopf (noch nicht ausprobiert), Auberginenauflauf (sehr lecker) und gefüllte Tintenfische (noch nicht ausprobiert, aber ganz oben auf der Liste). Wie es sich für ein ordentliches Kochbuch meiner Meinung nach gehört, ist ein Haufen appetitanregender Bilder dabei, und die Rezepte sind küchentechnisch nicht allzu kompliziert ( = man muss nicht mit Garthermometern oder exotischen Küchengeräten hantieren). Das Buch gehört zwar nicht mir, sondern meinem Freund, aber mit ihm habe ich quasi kochen gelernt (zugegeben: mit Buch und Freund gleichermaßen), und unser unangefochtener Favorit ist immer noch das liebevoll „Leberhühnchen“ genannte Pollo alla lucana. Dabei handelt es sich um ein Hühnchen, dass mit einer Mischung aus gebratener Leber, Speck, Petersilie, Ei und Parmesan gestopft wird. Abgerundet wird das Ganze mit etwas Rosmarin, dann kommt es für ca. 1,5h in den Ofen. Schon allein dieses Rezept ist vermutlich ein Grund, warum ich es nie auf die Dauer als Vegetarier aushalten würde. In dem Buch ist aber noch ein Haufen anderer interessanter Geflügelrezepte – beispielsweise Fasanenbraten, der sich aber in der Praxis als nicht so lecker erwies, was weniger am Rezept lag als an den kümmerlichen Fasanen, die wir aus Versehen erwischt hatten, und an das Gefühl von Schrotkugeln zwischen den Zähnen musste ich mich auch erst mal gewöhnen. Dafür war die Bratensoße allein schon eine Hauptmahlzeit, und in der nächsten Saison erlegen wir unsere Fasane einfach selbst.

Und um das Ganze noch ein bisschen foodblogmäßiger zu machen – ich hab tatsächlich mal ein Bild vom Hühnchen geschossen, kurz bevor es in den Ofen musste. Tadaa: